„Ein grosser europäischer Erzähler“, wird DIE ZEIT auf dem Umschlag zitiert und in mir denkt es: Inhaltsleerer geht wirklich nicht. Und dann steht da auch noch: „Mein Vater war Gärtner. Jetzt ist er ein Garten.“ Das Bemühen um Originalität ist so offenkundig, dass es fast schon peinlich ist, auch natürlich, weil der Satz so ziemlich …
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Sarah Jollien-Fardel: Lieblingstochter
Selten habe ich einen Roman gelesen, der packender beginnt. Das liegt nicht nur am ersten Satz, das liegt auch nicht nur am Thema, es liegt ganz zentral an der Sprache, dem Rhythmus, der Erzählkunst. Die Geschichte spielt im Wallis (dessen Schilderung ein veritabler Augenöffner ist), woher auch die 1971 geborene Autorin stammt, und wo sie, …
Tove Ditlevsen: Abhängigkeit
In meinen 20ern verliebte ich mich auf Fünen in eine junge Dänin und in Dänemark. Ich las dann auch einige dänische Autoren, unter ihnen Leif Panduro und Tove Ditlevsen, doch wie bei den meisten Büchern, die ich einmal gelesen habe, ist mir ausser den Autorennamen so ziemlich gar nichts geblieben. Mit anderen Worten; Abhängigkeit von …
Alafair Burke: The Wife
Diese Unsitte, deutsche Bücher mit englischen Titeln zu publizieren, scheint zuzunehmen und ist wohl der Fantasielosigkeit der Werbeleute geschuldet. Dass sich Buchverlage ihrer bedienen ist ein geistiges Armutszeugnis. Alafair Burkes Thriller handelt von einer Ehefrau (wie „wife“ auf Deutsch heisst), deren hoch erfolgreicher Mann – Uni-Professor mit eigener Beratungsfirma, die ethisch und ökologisch einwandfrei (also „politisch …
Karine Tuil: Die Gierigen
Ein intensives, rasantes Buch. Der Titel „Die Gierigen“ charakterisiert treffend, warum es geht. Und spricht für die Übersetzung, denn das französische Original (L’invention de nos vies) sagt etwas ganz anderes, suggeriert eher etwas Schöngeistiges und das ist dieser Roman nicht, ganz und gar nicht, dazu ist er viel zu kraftvoll, furios und leidenschaftlich. Die Autorin …