
Berninapass, Graubünden, Mai 2019
Hans Durrers Buchbesprechungen

Berninapass, Graubünden, Mai 2019
Milliardenbeträge für den Tribal Trust Fund sind illegal abgezweigt worden. Ein ehemaliger Mitarbeiter der CIA, Carl Mankin, der jetzt im Ruhestand ist, soll helfen, den dafür Verantwortlichen auf die Spur zu kommen. Könnte es ein Milliardär sei? Die Franzosen, so lerne ich, haben für einen, der nicht und nie genug kriegen kann, einen speziellen Ausdruck: porc sinistre, das mit ‚teuflisches Schwein‘ und einmal mit ‚das unersättliche Oberschwein‘ übersetzt wird. Unheimlich ist zwar treffender für ’sinistre‘, doch sind diese Gierigen in der Tat unersättlich und vom Teufel besessen.
Carl Mankin macht sich auf nach New Mexico, und da ich dort schon war, einmal im Sommer und einmal im Winter, tauchen sofort Bilder in meinem Kopf auf, insbesondere der Indianer auf dem Campus der Uni von Albuquerque, der mich auf das dortige Licht hinwies und es als magisch bezeichnete. Mir sind Tony Hillermans Kriminalromane auch deswegen sympathisch, weil Indianer und ihr Denken im Zentrum stehen.
Mankin wird verfolgt, und wundert sich, dass er das nicht schon früher bemerkt hat. Doch da ist es bereits zu spät. Eigentlich wäre Jim Chee von der Navajo-Police für die Untersuchung des Todes zuständig, aber das FBI mischt sich ein und schliesslich übernimmt Washington. Offensichtlich soll da etwas schön unter der Decke bleiben. Geheime Kanale zeigt auch wie Politik funktioniert: Viel informeller als das die Transparenz-Enthusiasten jemals verstehen werden.
Szenenwechsel. Der Drogenhandel kommt ins Spiel. Und inwiefern die Politik mit ihrer „stümperhaften Inkompetenz“ dazu beiträgt, „dass die Gefängnisse überquollen von kleinen Dealern und Abhängigen, während die grossen Drogenbosse unbehelligt blieben und die Preise von Kokain und Heroin weiterhin satte Profite garantierten.“
Für die Politik und die Geschäftswelt ist Verlässlichkeit entscheidend, man muss einander vertrauen können, doch dieses Vertrauen hat nichts mit Moral, sondern mit Abhängigkeit zu tun. Nur wenn man den anderen gegenüber etwas in der Hand hat, kann man ihnen vertrauen. Tony Hillermann ist ein wahrhafter Aufklärer.
Ganz unterschiedliche Leute (und damit ganz unterschiedliche Perspektiven) kommen in Geheime Kanäle zum Zuge. Da ist der pensionierte Lieutenant Joe Leaphorn, der sich in die Professorin Louisa Bourebonette verguckt, die die Mythen und Legenden in der Ute-Resevation erforscht. „So kam es, dass eine polizeiferne, weibliche und sehr akademische Sichtweise in Jim Chees ohnehin komplexes Problem eingeflossen war.“ Und da ist Jim Chees heimliche (von der jedoch so ziemlich alle wissen) Flamme Bernadette Manuelito, die von der Navajo-Police zur Customs Service Grenzpatrouille gewechselt ist, die überaus clever mit potentiell Verdächtigen umgeht. Und dann ist da Budge C. de Baca, der ganz vieles ist, doch nicht unbedingt der, für den man ihn hält.
Geheime Kanäle handelt von Korruption, gierigen und rücksichtslosen Kapitalisten, dem Schicksal von Flüchtlingen, dem internationalen Drogenhandel, der erst durch die Drogenkäufer möglich gemacht wird, und von smarten Indianern mit Ehrgefühl und Courage. Das Ganze wird angenehm unaufgeregt erzählt, genau so, wie man mit dem Leben so recht eigentlich umgehen sollte.
Doch Geheime Kanäle ist noch weit mehr, denn in der zweiten Hälfte wird es plötzlich sehr, sehr spannend, wobei sich zeigt, dass dieser Kriminalroman auch ein überzeugendes Plädoyer für Zivilcourage ist. Und diese, auch das lernen wir, kommt oft aus einer ganz unerwarteten Richtung. Grossartig!
Tony Hillerman
Geheime Kanäle
Ein Fall für die Navajo-Police
Unionsverlag, Zürich 2026
Johan Oskarsson wird erhängt aufgefunden. Sein letzter Kontakt war der Ich-Erzähler, beide von Beruf Schriftsteller, die sich einig sind, dass Schreiben nichts Besonderes ist, doch einsam macht. Hinter dem Nebel ist auch ein Buch über die Literaturszene und die Notwendigkeit des Schreibens.
Selbstmord hält der Ich-Erzähler für ausgeschlosssen, dafür hatte Johan viel zu viel Angst vor dem Tod. Und einen einzigen Satz auf dem Computerbildschirm hätte er auch nicht hinterlassen, er, der immer alles von Hand schrieb.
Johan arbeitete an einer Biografie über die einstmal bekannte und erfolgreiche Schrifstellerin Ingrid Klinga, die der Ich-Erzähler als damals junger Autor interviewte und jetzt wiederum aufsucht. Doch sie erkennt ihn nicht, verwechselt ihn mit Johan. Sie galubt, er wolle sie blossstellen, hat also etwas zu verbergen. Und dieses etwas liegt, wenig überraschend, in der Vergangenheit. Konkret: in den 1950er Jahren, zur Zeit des Kalten Krieges, der in einem Wettrüsten zwischen Ost und West gipfelte.
Ein Polizeiinspektor interessiert sich für Ingrids Studienfreunde, von denen sich einige geheime Dokumente über taktische Kernwaffen aus dem Verteidigungsministerium angeeignet haben. Sie wähnen sich ideologisch motiviert. „Aber der westliche Kapitalismus und Imperialismus sind rücksichtslos.“ Ingrid wird zur Informantin des Nachrichtendienstes.
Der Ich-Erzähler, der Johans Arbeit an Ingrids Biografie fortführen will, stösst auch auf ihre Berichte für die Polizei. Und erfährt, dass in den 1950er Jahren in Uppsala ein Mord geschehen ist, der vertuscht worden ist. Dass Johan darauf gestossen ist, so vermutet er, ist ihm zum Verhängnis geworden. Er wendet sich an den ihm bekannten Polizisten Vidar Jörgensson, der ihn wiederum mit einer Frau vom Geheimdienst zusammenbringt …
Christoffer Carlsson gelingt es ausgesprochen gut, das Atmosphärische, worauf es letztlich ankommt, zu schildern. Wie sich Ingrid und der Polizeiinspektor näherkommen, was der Ich-Erzähler für die Frau vom Geheimdienst empfindet.
Dann fliegt Ingrids Spionieren auf, und es wird spannend, kompliziert und sehr abwechslungsreich – eine Mischung, die bei Kriminalromanen eher selten ist. „Bei der Frage Wahrheit oder Fiktion entscheidet sich der Schriftsteller immer für die Fiktion.“
Hinter dem Nebel ist ein vielschichtiger Kriminalroman (ein Markenzeichen dieses Autors), der sich wesentlich mit der Frage auseinandersetzt, ob Ideologie wirklich die Triebfeder ist, für die sie viele halten. „Ideologische Motivation ist anfällig, launenhaft. Es genügt, dass der Betreffende ein neues Hobby für sich entdeckt oder heiratet oder von seiner besseren Hälfte bekehrt wird, und schon ist die Ideologie dahin. Und manchmal braucht es noch weniger. Älterwerden allein reicht völlig.. Das Alter verändert das Weltbild eines Menschen, häufig zum Nüchternen. Mit Schulden verhält es sich anders. Sie lösen sich nicht auf, ebenso wenig ihre Bedeutung. Sie werden nur prekärer.“ Selten wurde so nüchtern und klar dargelegt, dass Geld als Motivator allen anderen Beweggründen weit überlegen ist.
So packend sich diese Geschichte auch liest – dass sich die Spannung gegen Ende zunehmend steigert, ist meisterhaft – ist das Eine, das Andere (und für mich Spezielle) sind jedoch zum Innehalten einladende Passagen wie diese: „Sitzt die Sehnsucht wirklich tief, wird sie ganz friedlich. Drängt sich nicht mehr in den Vordergrund, wird kein Widerstand. Stattdessen dreht sie sich langsam im Kreis. Erst wenn man dieses sonderbare Wurzelsystem der Sehnsucht versteht, ergeben die Dinge einen Sinn.“
Fazit: In jeder Hinsicht aussergewöhnlich.
Christoffer Carlsson
Hinter dem Nebel
Kriminalroman
Rowohlt Kindler, Hamburg 2026
Ein Mann liegt erschossen in einer Tiefgarage. Als sich aufgeklärt wähnender Zeitgenosse, erwartet man jetzt das Eintreffen eines Care-Teams (auch wenn man nicht genau weiss, was ein solches da tun soll), doch stattdessen ist der Sonderermittler Martin Tong, ein Quartalstrinker, der zu Treffen (einer Selbsthilfegruppe, so ist anzunehmen) geht, aber nicht immer, unverzüglich eingetroffen, um seiner Kollegin Liselott Benjamin beizustehen. „Er war nicht der Typ, der einen in den Arm nahm oder ihr Seelenleben mit Fragen kartierte, stattdessen zeigte er seine Fürsorge durch kurze, aufmerksame Blicke und kleine Pausen, nachdem sie gesprochen hatte, für den Fall, sie wolle noch etwas über ihr Erleben des Dramas hinzufügen.“ Sprachlich zwar eher suboptimal, doch von der Sache her erfreulich unzeitgemäss. Dann taucht der Nachrichtendienst auf …
Blendfeuer ist ein Polit-Thriller, was auch meint, dass man einiges darüber erfährt, wie Machtpolitik funktioniert: Einzig entscheidend dabei ist, wer wem was schuldet: Oder anders gesagt: Wer wann welche Schulden eintreiben kann. Neben der Politik handelt dieser Thriller auch von den recht absonderlichen Auswüchsen unserer Zeit. So wird etwa der Chef der Antiterroreinheit als „ein gross gewachsener Mann, knochig und mager, wie Männer mittleren Alters es werden, wenn der Trainingsirrsinn zuschlägt“ beschrieben. Es ist anzunehmen, dass der Autor sich nicht dazuzählt.
Machtpolitik bedeutet auch, dass die Vorstellung, in einer Regierung würden alle an einem Strang ziehen, wohl zu den falschesten Vorstellungen überhaupt zählt, denn ausser Partikularinteressen ist da nichts. Langfristige Ziele, gemeinsames Vorgehen? Nichts als Illusionen. Gegenseitiges Wohlwollen? Höchstens bei Beerdigungen.
Natürlich lassen sich nicht alle Politiker über einen Kamm scheren. Da ist der Justizminister, der sich für die Ukrainer stark macht, die Verteidigungsministerin, die den Russen verpflichtet scheint, und der Ministerpräsident, der bei allen anderen nichts als persönlichen Ehrgeiz wittert – und sich damit treffend selbst beschreibt,
Blendfeuer spielt auf dem Hintergrund der russischen Ukraine-Invasion und macht darauf aufmerksam, dass bisher fast 20 000 ukrainische Kinder entführt worden sind. Eine ukrainische Krankenschwester: „… ich hatte nie dasrüber nachgedacht, ob wir Ukrainer oder Russen aufnahmen. Wir sind doch alle Menschen.“ Sie hob den Finger. „Ich lag falsch. Sie sind Tiere, und ich hasse sie.“ Es gehört zu den Vorzügen dieses exzellenten Thrillers, dass die ukrainischen Mütter sich rächen …
In Norwegen finden geheime Friedensverhandlungen statt. Diese dürfen nicht gefährdet werden. Die norwegische Verteidigungsministerin ist dafür, ihr Geliebter, der Justizminister, ist dagegen. Beide machen für ihre jeweiligen Positionen plausible Gründe geltend. Doch die Frage ist: Kann/soll man verhandeln, wenn man dem Verhandlungspartner nicht traut? Das ist natürlich eine rhetorische Frage, denn das wird ständig praktiziert. Und uns als vernünftig verkauft, von Leuten , die unvernünftiger kaum sein könnten, und letztlich nur so argumentieren, weil sie sich so wichtig machen können.
Ein Flugzeug mit Waffen und ukrainischen Spezialkräften explodiert in der Luft;; ein Litauer, der sich als Russe entpuppt, wird hingerichtet. Es gibt Hinweise auf ein russisches Mordteam, gefolgt von überraschenden Ereignissen. Blendfeuer gehört zu den Thrillern, geprägt von Menschlichkeit und Ironie, die einen nicht mehr loslassen.
Was hier geschikldert wird, ist sehr nahe an der Wirklichkeit. Nicht zuletzt, weil es wie im richtigen Leben zu und her geht, wo auch die Politiker sich mit noch ganz anderem als der Politik beschäftigen müssen. So hat der Justizminister eine pubertierende Tochter, derentwegen er zu einem Gespräch in der Schule beordert wird, wo auch ein Sozialpädagoge, „ein gutmütiger Teddybär aus dem Land, in dem alles durch Reden gelöst werden konnte“ zugegegen ist.
In der Politik geht es um das, was auch die Schauspielerei ausmacht: Um den Schein. Kein Politiker bzw. keine Politikerin sagt, was er oder sie denkt. Man sagt, was man glaubt, dass die Leute hören wollen. „Niemals in der Geschichte der Menschheit hatte sich ein Politiker aus Rücksicht auf seine Familie zurückgezogen.“ .
Ein guter Thriller (und das ist Blendfeuer zweifellos) ist nicht nur packend, sondern klärt auch auf. Ungeschminkt und erhellend. Etwa über russische Desinformation, von welcher die westliche Bevölkerung nicht einmal den Ansatz einer Ahnung hat. Oder um die Unterwanderung der westlichen Institutionen durch die Russen. Oder über die diplomatische Immunität, mit der so recht eigentlich immer nur Schindluder getrieben wird.
Fazit: Ein Thriller, der aufrüttelt – eine Seltenheit! Sowie ein aufschlussreicher und erfreulich illusionsloser Blick auf die heutige Weltlage, fesselnd und reich an unerwarteten Wendungen.
Ingar Johnsrud
Blendfeuer
Thriller
Droemer, München 2026

Toyohashi, Japan, April 2019
Leo Koski, der ehemalige finnische Ministerpräsident, hat nach der Ermordung seiner einstmaligen politischen Kontrahentin und späteren Geliebten Zuflucht in den USA gesucht, die dermassen propagandistisch überhöht dargestellt werden, dass es einer Karrikatur alle Ehre macht. „Die Vereinigten Staaten waren ein Einwanderungsland. Und dieser Vorort im Nordosten von Washington zog die fähigsten Wissenschaftler, Unternehmer und Diplomaten an, die sich aus der ganzen Welt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten niederlassen wollten, um hier jenes Potential zu entwickeln, das ihrer Überzeugung nach in ihnen schlummerte. In kurzer Zeit eigneten sie sich die amerikanische Mimik und Gestik an, bis diese ihre individuellen Gesichtszüge überdeckten und sie alle gleich aussahen.“
Die amerikanische Regierung will aus der NATO aussteigen, Leo Koski soll helfen, das zu verhindern, doch er will nichts mehr mit der Welt der Politik zu tun haben. „Den fauligen Populismus der Politiker und toxische öffentliche Debatten, die geprägt waren von künstlichen Gegenüberstellungen, Geringschätzung fundierter Informationen und hirnlosen verbalen Attacken, verabscheute Leo zutiefst.“ Viel treffender kann man die politischen Inszenierungen eigentlich nicht schildern.
Doch dann steht der Secret Service vor der Türe, der Präsident (der unschwer zu erkennen, dem gegenwärtigen Bewohner des Weissen Hauses nachempfunden ist, auch wenn dieser keinen Alkohol braucht, um sich völlig besoffen aufzuführen), wird ihm gesagt, erwarte ihn, und so gibt Leo nach. Kurz vor dem Treffen erhält er die Nachricht, seine Tochter sei entführt worden, und komme nur frei, wenn die USA die NATO verlassen werden.
Beim Gespräch mit dem legendär ausfällig werdenden Präsidenten ist auch die Journalistin Ashley Pegula zugegen, die sich als seine Geliebte entpuppt. Der Präsident bricht zusammen, ein Giftanschlag. Der Presse wird dies jedoch nicht mitgeteilt. „Schreiben Sie nur, das sich das Befinden des Präsidenten in seinem Büro plötzlich verschlechtert hat und er zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht wurde.“ Dass uns offizielle Pressemitteilungen selten die Wahrheit verraten, das wissen wir. Was konkret vor sich geht, zeigt dieser Thriller. „Sie werden nicht dafür bezahlt, was Sie sagen, sondern was Sie nicht sagen.“
Leo und Ashley, in deren Tasche sich das Gift, ohne ihr Wissen, befunden hatte, und die deshalb als verdächtig gilt, fliehen zusammen. Dann zeigt es sich, dass es die Russen sind, die Leo erpressen. Sie wollen unbedingt verhindern, dass die NATO-freundliche Vizepräsidentin plötzlich das politische Sagen hat. Leo soll sich was einfallen lassen, wird ihm aufgetragen. Der russische Geheimdienst kommt ins Spiel wie auch eine mysteriöse Figur namens Atlas, dessen analytischer Blick auf Putin und den amerikanischen Präsidenten schon ganz alleine die Lektüre dieses packenden Thrillers lohnt.
Wie wahrscheinlich ein solches Szenario ist, sei einmal dahingestellt, doch in unseren Zeiten, in denen noch das Absurdeste Realität geworden ist, ist es nicht gänzlich abwegig. Die wahre Stärke von Tuomas Oskaris Thriller liegt jedoch nicht im Plot, sondern in der politischen und kulturellen Aufklärung. So lernt man unter anderem: „Bei uns in Russland gilt es als ein Zeichen von Falschheit, einem Fremden zuzulächeln.“ Und man kriegt einen realistsischen Einblick in den Umgangston der verschiedenen amerikanischen Geheimdienstchefs, der von Niedertracht, Konkurrenzneid, Besserwisserei und Rüpelhaftigkeit geprägt ist.
In den Fängen der Verräter ist nicht nur ein spannender Polit-Thriller, er zeigt auch sehr schön auf, wie finnische und nordamerikanische Mentalitäten sich unterscheiden. „Es herrschte Stille – von jener Art, in der der Geist der Finnen zur Ruhe kam, die die Amerikaner jedoch immer schnellstens beenden wollten.“ Zugleich bietet Tuomas Oskari Aufklärung über die gegenwärtige (nord)amerikanische Abschottungspolitik. Und relativiert: „Seit Gründungszeiten war die Geschichte der Vereinigten Staaten ein tauziehen zwischen Internationalisierung und Isolation.“ Verlässlichkeit sieht anders aus …
Fazit: Eine spannende Lektion in Sachen Politik, abseits der gängigen Medienberichterstattung, inklusive vieler überraschender Wendungen.
PS: Wer den weltpolitischen Wahnwitz verstehen will, sollte die Thriller von Tuomas Oskari lesen.
Tuomas Oskari
In den Fängen der Verräter
Thriller
Lübbe, Köln 2026
Der Auftakt ist fulminant: Harvey Buck ist auf einer staubigen Piste, dem High Wire, durch den australischen Outback unterwegs, als er sich einem in Flammen stehenden Wagen nähert. Eine Frau steht daneben, Clare Holland. Ist das eine Falle? Er riskiert’s, gibt ihr eine Mitfahrgelegenheit. Kurz darauf … Das ist ungemein packend geschildert, Candice Fox versteht das Thriller-Handwerk.
Szenenwechsel: Senior Sergeant Edna Norris geht gerade einem Fall von falscher Identität im Internet nach, als sie zu einem ausgebrannten Auto in der Wüste, auf dem High Wire, gerufen wird. Er solle die Fahrt geniessen, meint sie zu dem jungen Häftling, den sie dahin mitnimmt, die meisten Leute kämen erst als Rentner in den Genuss, sich an der Schönheit des Outback zu erfreuen.
Die Killer, die Harvey Buck aufgespührt haben, haben noch eine Rechnung offen. Dass sie ihm unbemerkt haben folgen können, war einer Drohne geschuldet, mit der sie ihm auf den Fersen bleiben konnten. Drohnen, denkt es da so in mir, verändern gerade die Welt in einem Masse, die überhaupt noch nicht absehbar ist, auch wenn ausser Frage steht, dass die jetzigen Machtverhältnisse sich wohl nicht mehr lange werden halten können.
Veränderungen geschehen öfter durch die technische Entwicklung als durch politische Anstrengungen, auch dies zeigt dieser packende Thriller, wenn auch am Rande. Hauptsächlich ist Outback Killers (der Titel hat nicht viel mit der Handlung gemein) exzellent und routiniert gemacht. Die Autorin wurde mit dem Ned Kelly Award ausgezeichnet, arbeitet auch mit James Patterson zusammen, mehrere Verfilmungen ihrer Werke befinden sich in Produktion. Mit anderen Worten: Candice Fox versteht es ausgezeichnet, den Publikumsgeschmack zu treffen.
Outback Killers ist traditionell gebaut: Dem packenden Einstieg folgt der Blick zurück. Die Vergangenheit soll darüber Aufschluss geben, was, warum geschieht. Und so erfahren wir, dass Clare Holland mit dem Reparieren und Verkaufen alter Puppen gutes Geld verdient, dass Harvey Buck einst in Afghanistan im Einsatz war, wo man nicht nur Gefahr lief, abgeschlachtet zu werden, sondern es auch Tage gab, „die zu Nächten wurden, die zu Tagen wurden, in denen nichts passierte und sich die Grenzen zum Absurden und Gefährlichen verschoben.“
In Afghanistan liegt denn auch der Grund dafür, dass drei Ex-Militärs, allesamt Psychopathen (dass Thriller-Autoren ein Flair für Abartiges zu haben scheinen, mutet auch etwas eigenartig an), die sich am Leiden anderer ergötzen, sich an Harvey Buck rächen wollen. Sie demütigen ihn, doch er wehrt sich, wie auch Clare Holland, die sich als Frau des Polizeichefs entpuppt, und ebenfalls als Geisel genommen wird. Outback Killers zeichnet sich nicht zuletzt dadurch aus, dass darin keine schwachen Figuren, sondern (fast) ausschliesslich Kämpfernaturen auftreten.
Harvey Buck soll, in eine Sprengstoffweste gezwängt, eine kleine Bank im australischen Nirgendwo überfallen. „Sie konnte offenbar nicht glauben, was hier geschah, vermutete Harvey. Dass ein Mann, der genug Intelligenz besass um zu atmen und zu sprechen (Seit wann braucht man dafür Intelligenz? hd), dumm genug war, um eine kleine Bank im Outback zu überfallen, noch dazu in Anwesenheit einer bewaffneten Polizistin.“
Edna ist klar, dass es sich um einen symbolischen Bankraub gehandelt hat. Dazu kommt, dass sie sich vom mittlerweile aufgetauchten Polizeichef Holland den Fall seiner verschwundenen Frau nicht wegnehmen lassen will. „Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass Commissioner Holland da drüben in seinem Auto Gott und die Welt anruft, um Infos über mich und dich auszugraben, mit denen er uns ausser Gefecht setzen kann. So machen sie das, schlaue Männer mit Macht, wenn sie ihren Willen nicht kriegen.“
Outback Killers überzeugt mit immer neuen, völlig unerwarteten Wendungen. Besonders gelungen zeigt sich das an Harvey und Clare, die ja so recht eigentlich Zufallsbekanntschaften sind, und sich bestens ergänzen. Wie Candice Fox die Verbindung der beiden schildert, ist ungemein berührend. Als Harvey drauf und dran ist, erschöpft aufzugeben, ergreift Clare die Initiative …
Fazit: Clever, abwechslungsreich, spannend sowie eine glänzende Vermittlung der australischen Wüstenatmosphäre.
PS: Wir sind mittlerweile auf eine Art und Weise anglifiziert, dass es an Kolonisierung durch Sprache gemahnt. Von Outback Killers (das Buch heisst im Original High Wire) bis zu Unfuckingglaublich (das man zweimal lesen muss, bis sich einem die Wortkombination erschliesst). Ich habe übrigens keine Einwände gegen die englische Sprache (ich habe viele Jahre mein Geld als Englischdolmetscher verdient), doch für einen deutschen Verlag finde ich das unangebracht und überzogen.
Candice Fox
Outback Killers
Suhrkamp, Berlin 2026
Die drei Schwestern Debra, Pam, und Harper, sind in einem wohlhabenden Vorort von Detroit aufgewachsen. Und rechneten damit, dass ihr Leben in gesicherten Verhältnissen ablaufen würde. Doch dann begann der wirtschaftliche Niedergang der Autometropole, und auch die drei Schwestern kämpfen mit finanziellen Schwierigkeiten. Eindrücklich, wie Megan Abbott die veränderte Welt schildert: Der Vater der drei war ein gutbezahlter Abteilungsleiter gewesen, „dem es vergönnt war, jahrzehntelang auf demselben Posten zu arbeiten, die Art Karriere, die es heute nicht mehr gab.“ Stattdessen: Spekulanten, die über Nacht viel Geld machten, und es auch genaso schnell wieder verloren.
Die charismatische Pam, geschieden und wohnhaft zur Miete am El Dorado Drive, richtet aus Anlass des Studienabschlusses ihres Sohnes Patrick, ein Fest aus, dass sie sich so recht eigentlich gar nicht leisten kann, da ihr Ex die Vorsorgekonten der Kinder geplündert hat. Die drei Schwestern betrinken sich, auch Harper, die seit fast drei Jahren trocken ist und Meetings der Anonymen Alkoholiker besucht
Dann führt Pam Harper in „das Rad“ ein, das sie als „Kreis des Gebens“ anpreist, bei dem Frauen leicht Geld verdienen können. Auch Debra ist dabei. Doch dieser Kreis birgt Risiken, und natürlich muss alles geheim bleiben. Auch gibt es Regeln, und zu denen gehört, dass das Geld, das man erhält, ein Geschenk und nicht zu versteuern ist.
Wie jeder geheime Kreis, so muss auch „das Rad“ dem Nimbus des Exklusiven entsprechen. Nur Frauen sind zugelassen. Angepriesen wird das Ganze als weibliche Selbstermächtigung, von Männern geprüft. „Weibliches Empowerment und männliche Zuverlässigkeit.“ Bei Harper lässt das Fragen aufkommen, die sie jedoch beiseite wischt. Schliesslich funktioniert es ja.
Wie bei allen Geheimorganisationen bedient man sich beim „Rad“ einer eigenen Sprache. Neue Frauen werden also nicht rekrutiert, sondern eingeladen. Nicht zuletzt schafft diese Sprache für Eingeweihte ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Und genau darauf kommt es letztlich an.
Beeindruckend sind Megan Abbotts Charakterisierungen der auftretenden Personen, ganz besonders gelungen ist die Figur von Doug, dem Ex-Ehemann von Pam, dessen prekäre und zunehmend aussichtslose Lage ihn unberechenbar und gefährlich werden lässt. Sehr gut getroffen ist auch die individualistische Harper, obwohl wenig realistisch ist, dass eine Frau, die AA-Meetings besucht, weitestgehend problemlos alkoholische Getränke konsumiert. Am Spannendsten und Überzeugendsten ist jedoch die Beziehung von Doug und Harper (sie schuldet ihm Geld), eine Geschichte voller Schuldgefühle, Scham, Abhängigkeit und Angst, die fast mit Händen zu greifen sind.
Sobald sie ihre Schulden abbezahlt hat, ist sie raus, lässt Harper ihre Schwester Debra wissen. „Das habe ich auch gesagt“, kommentiert Debra lächelnd. „Eigentlich, so hatte Harper angenommen, zögen die meisten Frauen ihr Geld wieder ab, sobald sie ihr Ziel erreicht hätten – die Kreditkartenschulden getilgt waren, die Hypothek wieder pünktlich bedient werden konnte. Doch es wurde immer deutlicher, dass keine von ihnen wieder aufhörte.“
El Dorado Drive ist wesentlich eine Geschichte über Gier und Abhängigkeit. mithin über Sucht, der Grundlage des Kapitalismus, denn Sucht hat nichts mit Substanzabhängigkeit zu tun, sondern gründet in einer Lebenshaltung, die im Mehr-Mehr-Mehr gipfelt. Dies als Frauen helfen Frauen zu verkaufen, wie das in diesem Kriminalroman geschieht, ist eine clevere Art zu zeigen, wie wir uns selbst betrügen. Branding, Marketing – die Verpackung verhüllt, was wirklich ist. Auch dies verdeutlicht El Dorado Drive.
Megan Abbott
El Dorado Drive
Pulp Master, Berlin 2026

Santa Cruz do Sul, Brasil, Januar 2019
Es gibt Sätze von Petra Morsbach, die mir mehr über das Wesen Mensch verraten als die meisten einschlägigen Fachbücher. Und mich seit dem ersten Lesen vor Jahren begleiten (ein seltenes Phänomen). Etwa diese aus ‚Gottesdiener‘: „Seit er nicht mehr trinkt, halten die Boderinger ihn für arrogant.“; „Pfarrer Stettner hat auch beschlossen, dass Isidor aufs Gymnasium gehöre. Isidors Eltern wehrten sich nur fünf Minuten, denn mit dem Buben war eh nichts anzufangen.“; „‚Schauen und Glauben ist kein Gegensatz‘, sagte Pater Ulrich. ‚Denn Gott ist immer in dem, was du siehst. Wenn du ihn darin nicht erkennst, erkennst du ihn nirgends – das, was du siehst, ist das Eigentliche. Näher kannst du der Wahrheit nicht kommen.'“ Smart, witzig und lebensklug sind ihre Bücher. Ihr lakonischer Stil erfreut nicht nur mein Herz, sondern verschafft mir auch überaus erhellende Einsichten, etwa über „unser“ Rechtswesen (in „Justizpalast“), die das Jurastudium mir nicht verschaffen konnte. Mit anderen Worten: Positiver eingestimmt kann man so recht eigentlich ein Buch nicht angehen.
Das Schönste, was man über Bücher sagen kann, ist, dass sie einen das Leben lehren. Auf Petra Morsbachs Bücher trifft das in besonderem Masse zu. „Kunst als Ausdruck der Seele, ohne Kalkül, Prestige-Anspruch und Angeberei, etwas, das bei aller geheimnisvollen Tiefe so natürlich zum Leben gehörte wie Mensch ärgere dich nicht und die BILD-Zeitung.“ Schalk und Ironie wie auch gescheites Differenzieren (im Gegensatz zu den Spitzfindigkeiten der Juristen) und ein kunterbuntes Nebeneinander von allem Möglichem sind Merkmale ihres Schreibens.
Nora Meyer, Lehrerin an einem oberbayerischen Gymnasium, lebe mehr in Büchern als in der Wirklichkeit, lese ich auf der vierten Umschlagseite. was ich allerdings nicht so sehe, denn diese beiden Welten existieren nicht getrennt voneinander, gehen ständig ineinander über. „Die Literatur verband mich mit der Welt. Inzwischen suchte ich darin (in der Literatur, nicht in der Welt) weniger Sensationen als reale Erfahrung, die Wechselfälle, Verwicklungen und Widersprüche des Lebens. Lernen ist lustvoll, auch schmerzhafte Erkenntnis immer noch besser als Betäubung und Verblendung.“ Freude am Wissen und Lernen zu haben, steht heutzutage nicht gerade hoch im Kurs steht (zu funktionieren und Erfolg zu haben, ist angesagt), ist jedoch eine Grunderfahrung, die uns nicht nur gut tut, sondern uns ausmachen sollte.
Das Lesen macht einen zwar nicht (wie ich einst geglaubt hatte) zu einem besseren, zivilisierten und kultivierten Menschen (wobei: auszuschliessen ist das auch nicht), doch das Eintauchen in die Welt der Ideen macht das Leben nicht nur erträglicher (jedenfalls für einige), sondern öffnet auch ansonsten verschlossene Formen des Daseins. So erinnerten die Brontë-Schwestern Nora daran, wie privilegiert sie war. „Liebe kann man nicht kaufen, doch wirtschaftliche Selbständigkeit und freie Entscheidungen sind bereits ein riesiges Glück.“
Lesen gibt einem auch die Möglichkeit, „Orientierung in fremder Erfahrung“ zu suchen. Und nicht zuletzt: Wer aufmerksam liest, dem offenbart sich auch, das alles seine Zeit hat, was sich etwa darin zeigt, dass, wer alt ist, in aller Regel keine Lust und Energie mehr auf Coming-of-Age-Bücher oder die unbescheidenen „Lamenti alternder Alphamänner“ hat.
Lesen bedeutet nicht zuletzt, an den Erfahrungen anderer teilhaben zu können. Und gelegentlich zu entdecken, dass andere in Worte gefasst hatten, was man selber empfunden, doch so hätte nicht ausdrücken können. Auch lernt man, dass die grundlegenden Fragen und Antworten im Laufe der Jahrtausende die gleichen geblieben sind. Soviel zum Fortschritt!
Unser Gehirn ist ausgesprochen selbstständig unterwegs. Petra Morsbachs Talent, Bilder, die das Hirn produziert, in Worte zu fassen, ist von umwerfender Komik. „Ich stellte mir den Vater hechtartig vor, mit pfeilförmigem Körper, trockenem, flachen Kopf und weit nach hinten versetzter Rückenflosse. Obwohl ich ihn nie gesehen und nie reden gehört hatte, schien mir, er spreche mit entstellter Stimme.“
Niemand, jedenfalls gemäss meiner Leseerfahrung, schafft es besser als Petra Morsbach, die Absurditäten des Lebens bzw. unsere zwar verständlichen, doch nichtsdestrotz reichlich absurden und recht willkürlichen Vorstellungen über unsere angebliche Zivilisiertheit auf den Punkt zu bringen. „Die beiden Borgs, kultivierte, gutaussehende Leute, stritten ununterbrochen: auf der Terrasse, im Supermarkt, im Museum, am Strand, im nahegelegnenen Gourmetrestaurant während der kompletten Menüfolge. Ich fragte mich, weshalb Herr Borg, ein gütiger weisshaariger Herr und übrigens sehr angenehmer Vorgesetzter, es nicht schaffte, sich mit seiner eleganten, gepflegten Frau zu vertragen, und warum er meine ‚Jugend‘ als Zeugin dieses Unvermögens nicht nur ertrug, sondern aktiv angeworben hatte.“
Nach erfolgreich bestandener Prüfung durch dessen Eltern (der Vater, Prof. Dr. Dr. h.c., ist bereits 90), heiratet Nora ihren ehemaligen Vorgesetzten, den Archivar Theseus. „Noch nie hatte er so viele persönliche Dinge preisgegeben. Er wirkte wie befreit, und ich schrieb das ohne Weiteres meinem guten Einfluss zu.“ Meisterhaft zeigt Petra Morsbach, wie reflektierte Menschen ihr eigenes Leben weit unreflektierter leben als sie sich gerne zugute halten.
Das titelgebende Sternbild Orion steht in der griechischen Mythologie für den Herrscher des Winterhimmels, und ist, wie alle Sternenbilder, ein Zufallskonstrukt. „Die Sterne, die ihn bilden, gehören zu unterschiedlichen Galaxien und haben nichts miteinander zu tun.“ Wie heisst es doch so treffend im Talmud: ‚Wie sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie, wie wir sind.‘ Kein Wunder, bleiben wir im Wesentlichen unbelehrbar.
Noras Sohn versucht, den Eltern die kosmischen Verhältnisse nahezubringen, deren Grösse, wie er ausführt, den Menschen zur Bedeutungslosigkeit schrumpfen lasse, worauf er mit Hysterie reagiere. „Ja, aber was für eine Hysterie!, dachte ich. Eine gefährliche und zerstörerische, aber auch eine ungemein fantasievolle und schöpferische. Das eine ist anscheinnend ohne das andere nicht zu haben, und wer das eine loswird (falls das geht), verliert auch das andere.“ Oder, um es mit Sokrates zu sagen, der auf die Frage, ob er heiraten solle oder nicht, anwortete: ‚Was du auch tust, du wirst es bereuen.“ Oder, noch einmal anders: Entweder/Oder bzw. Lösungen sind menschliche Denkkategorien, die Realität (zu der natürlich auch das Denken gehört) geht darüber hinaus.
Doch nicht nur über das Universum wird man unterrichtet, auch über die Verhältnisse am Gymnasium, einem Akademiker-Biotop voller mannifaltiger Herausforderungen, erfährt man Detailreiches, das einen diese Lehranstalt mitsamt ihren nicht gerade einfachen Bewohnern neu sehen lässt. Auch vieles andere mehr – der Roman spielt in der heutigen Zeit – kommt zur Sprache, nicht zuletzt der Verteidigunsgkrieg in der Ukraine, zu dem sich auch tausende russische Wissenschaftler geäussert haben. Der Text dieser hellsichtigen Initiative ist wohl das eindücklichste Dokument, das zu dieser Militäraktion verfasst worden ist.
Orion ist ein Werk von aussergewöhnlicher Selbstreflexion (wozu auch gehört, dass man mehr Fragen als Antworten hat), das eindrücklich aufzeigt, dass sich emotional distanzieren zu können, zu befreiendem Lachen verhelfen kann, was angesichts der Vertracktheit des Daseins, zu dem wir Menschen ja nicht unwesentlich beitragen, definitiv Not tut. Was Nora, nach Schuldienst, Dialyse und Reha, als Archivarin tätig, über den griechischen Schriftseller Lukian festhält, charakterisiert auch dieses Buch: „Wann immer ich wie jetzt verzweifeln möchte, hilft er mir zu lachen über unsere heillose, unbelehrbare, unbändig vitale und komische Welt.“
Fazit: Sehr anregend, sehr nützlich und wunderbar unterhaltend. Eine überaus willkommene, humorvolle, und höchst reflektierte Lebensanleitung – ein Lesegenuss erster Güte!
Petra Morsbach
Orion
Roman
Penguin Verlag, München 2026