Diesem Thriller sind Fakten vorangestellt: Am Kongress der International Association of Democratic Lawyers (IADL) im Oktober 2000 in Havanna, unterzeichneten die versammelten Juristen ein Abschlussdokument, in dem sie ihre Mitglieder aufforderten, sich dem unregulierten Kapitalismus und der neoliberalen Globalisierung in den Weg zu stellen. Mit anderen Worten: Im Sturm der Macht ist ein Thriller, der sich wesentlich mit den von Menschen geschaffenen und einer kleinen Elite dienenden Verhältnissen auseinandersetzt. Und dies ist sehr, sehr ungewöhnlich für einen Thriller – und überaus begrüssenswert!
Der ehemalige finnische Ministerpräsident Leo Koski wird von einem einflussreichen Anwalt aus seinem spanischen Exil zurück nach Finnland gelockt. Er soll seiner ehemaligen Konkurrentin und heutigen Geliebten, Emma Erola, die sich vor Gericht verantworten muss, beistehen. Doch dann zeigt sich, dass nicht der Anwalt, sondern jemand Unbekannter Leo Koskis Rückkehr veranlasst hat.
Es ist dies ein Kennzeichen von Tuomas Oskaris Thrillern, das er bereits in Tage voller Zorn verwendet hat: Die Strippenzieher agieren im Verborgenen. Ein Verschwörungstheoretiker ist der Autor jedoch beileibe nicht, vielmehr zeigt er gekonnt auf, dass wirtschaftliche Interessen (sprich Gier) besonders die Menschen leiten, denen es wirtschaftlich bestens geht.
Gleichzeitig geschehen noch ganz andere Dinge: Ein hoher Richter wird von einem rechtsextremen Killerkommando, das von einem Ex-Polizisten angeführt wird, der seine Befehle anonym erhält, ermordet. Dieser anonyme Einflüsterer (eine weitere Spezialitat des Autors) plant Grosses, doch die dafür vorgesehene Gruppierung wird von einer Wissenschaftlerin ausspioniert, die allerdings auffliegt. Erst zum Schluss wird enthüllt, wer an den Strippen zieht.
Im Sturm der Macht ist spannend erzählt, reich an überraschenden Wendungen, und als Polit-Thriller insofern aussergewöhnlich, weil das, was zurzeit die Welt umtreibt (in diesem Falle: die Migration und der Rassismus von Rechts) viel Raum einnimmt. Dabei zeigt sich, dass die Rechten den Puls der Bevölkerung bestens spüren, ihn allerdings zu Zwecken verwenden wollen, die so ziemlich gar nicht im Interesse der Bevölkerung liegen. Das Gleiche gilt auch für die Linke, wie dieser Thriller zeigt.
Dass die Demokratie in Gefahr sei, hat jeder, der Medien konsumiert, schon einmal gehört. Dass vor allem die Kreise, die in den Institutionen ihr Auskommen finden, glauben, der Staatsapparat würde diesen Angriffen standhalten können, sollten diesen Thriller lesen, der unter anderem unterstreichtt, dass dieser Apparat keinewegs von der Politik unabhängig agiert, sondern von ihr instrumentalisiert wird.
Besonders aufschlussreich ist, wie Tuomas Oskari den gegenwärtigen historischen Umbruck in Europa schildert, den er mit der Geschichte Kubas vergleicht, das etliche solcher Umbrüche erlebt hat. „Es hatte Reichtum und Armut in ihren extremsten Formen gesehen. Harmonie und Kämpfe. Spannungen und ihre unerwartete Entladung. Kuba war Heimstatt für Piraten und Schmuggler und hatte später im Kalten Krieg eine zentrale Rolle gespielt als ein Ort, an dem sich die Ideen aus Ost und West begegneten.“ Im Sturm der Macht bietet auch vielfältige politische Aufklärung, auch auf spielerische Art und Weise. So tritt etwa eine kubanische Scharfschützin auf, die Fotos schiesst … Ein Hinweis fürs Lektorat:: La Zorra y el Cuervo heisst nicht Der Fuchs und der Rabe, sondern Die Füchsin und der Rabe.
Tuomas Oskari ist ein Aufklärer. War es in Tage voller Zorn die Ökonomie, die er den Lesern (und Leserinnen) nahebrachte, ist es diesmal die Geschichte: Die Parallelen zwischen Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen und heute sind in der Tat augenfällig.
Im Sturm der Macht ist sowohl packender Polit-Thriller, berührende Liebesgeschichte wie auch überzeugendes Plàdoyer, sich für mitmenschliche Werte zu engagieren. Grossartig!
Tuomas Oskari
Im Sturm der Macht
Thriller
Lübbe, Köln 2023

