Thomas Steinfeld: Goethe

Goethe, der sich nicht erwärmen konnte für die Rede von der Geschichte, denn er hielt „die ‚Weltgeschichte‘ für eine idealistische Überhöhung disparater Ereignisse“, so Hans Blumenberg, gehe es um den Menschen, den Einzelnen, „dem die Wunder der Natur und der Kunst aufgehen sollten“. Und: „…ihn als den aufgeschlossenen (vor allem im kleinen Kreis), freien, universal …

Salman Rushdie: Knife

Dem Zeitgeist gehorchend erscheinen zunehmend deutsche Bücher mit einem englischen Titel – als ob die Dinge nicht schon verwirrend genug wären. „Eine lebensbejahende Hymne an die Macht der Literatur, dem Undenkbaren einen Sinn zu geben“, charakterisiert der Verlag diese Gedanken nach einem Mordversuch. Dem Undenkbaren einen Sinn zu geben? Bei mir scheitert die Sinngebung bereits …

Gert Ueding: Bloch, Jens und Mayer

Mit „Denkmöglich ist alles“ leitet Gert Ueding, geboren 1942, emeritierter Ordinarius für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen, sein Gedankenspiel um Ernst Bloch, Walter Jens und Hans Mayer ein. Er gibt sich also gleichsam einen Freipass zum Fabulieren – und dies tut er dann auch überaus gekonnt. Er ist ein höchst einfühlsamer Erzähler sowie ein …

Charlotte Kerner: We are Volcanoes

Weshalb wird einem deutschen Buch bloss ein englischer Titel gegeben? Nein, ich bin kein Sprach-Purist, ich mag das Englische, habe auf Englisch studiert und publiziert, doch ein englischer Titel für eine deutsche Publikation? Klar doch, der Zeitgeist will es so, doch wenn sich dann zeigt, dass das Englisch einiges zu wünschen übrig lässt („Wie wäre …

Ben Macintyre: Der Spion und der Verräter

Wer eine realistische Vorstellung von dem Gerangel um Macht und Herrschaft, das wir uns auch als Politik schönreden, haben möchte, erfährt in diesem Buch Einiges, denn wovon wir in der Zeitung lesen, was wir im Fernsehen sehen, ist meist nichts anderes als PRopaganda. Das Entscheidende geschieht im Geheimen. Davon handelt dieses überaus erhellende Werk, das …

Claudia Graf-Grossmann: Johannes Mario Simmel

Kann man eigentlich einen anderen Menschen kennen? So recht eigentlich kennen wir doch nicht einmal uns selber. Bestenfalls können wir rätseln. Der Autorin dieser Biografie ist das sehr bewusst, weshalb sie denn auch die Szene, die sie in ihrem Prolog schildert, so kommentiert: „Ist diese Szene real, oder befinden wir uns in einem Film, einem …

Julia Voss und Daniel Birnbaum: Hilma af Klint und Wassily Kandinsky träumen von der Zukunft

Im Vorwort von Herausgeberin Susanne Gaensheimer stosse ich unter anderem auf diese Sätze, die fortan „meinen“ Kontext definieren. Zum Einen: „Der Kalte Krieg stellte die Weichen. Ungegenständlich zu malen galt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Inbegriff einer Freiheit, die der Westen bot und der Osten verbot.“ Wer sich sprachlich derart treffend auszudrücken …

Virginia Woolf & Vita Sackville-West: Love Letters

Weshalb Love Letters, weshalb nicht Liebesbriefe? Nun ja, auch Buchverlage gehen mit der Zeit, und die heutige will gerade alles auf Englisch. Besonders originell ist das nicht gerade … Dazu kommt, dass hier nicht nur Briefe, die sich die beiden Frauen geschrieben haben, versammelt sind, sondern auch Tagebucheinträge sowie Briefe von Vita an ihren Mann …

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