Die Depression hatte aus Jessica J. Lee einen Menschen gemacht, der sie nicht sein wollte: „entleert und verhärtet.“ Sie suchte einen Weg, um mit ihrer Verletzung zu leben. „Schwimmen wäre eine Möglichkeit, mit meinen Ängsten zu leben, meinen Alltag zu bestehen. Vor allem hoffte ich, eine gewisse Balance zu finden.“ Sie ist streng mit sich, …
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Dag Solstad: 16.7.41
Ein Zitat von Iris Radisch ist der Presseinformation des Verlages vorangestellt: „Norwegens Grösster“. Nach welchen Kriterien bloss? Na ja, Substanzlosigkeit ist das Kennzeichen der Werbung. Und hat auch durchaus einen Effekt. In meinem Falle: Meine Erwartungshaltung ist gross. Der Einstieg enttäuscht mich, wirkt wie ein Schüleraufsatz: Dag Solstad, geboren am 16.7. 41, begibt sich zum …
Louise Jacobs: Louise sucht das Weite
Louise Jacobs, geboren 1982 in Zürich, kommt mit der Schweizer Perfektion nicht zurecht, zieht mit achtzehn nach Berlin, fühlt sich befreit. „In Berlin war ich am richtigen Platz.“ Vierzehn Berliner Jahre später fühlt sie sich leer, unendlich leer. Und denkt an das Land ihrer Sehnsucht, den Wilden Westen. In ein Leben als Aussenseiter im Wilden …
Kristin Rübesamen: Ausser Atem
Inga, getrennt, Yogalehrerin, die auch Putzen geht, um zu überleben, wohnt in einem Viertel, „das in keinem Reiseführer der Stadt erwähnt wurde“ und ist in einem Alter, „in dem die Vorstellung von Normalität nichts Trostloses an sich hatte.“ Ihre volljährige Tochter Alma macht sich davon („Wie war es möglich, dass man als Eltern keine Rechte …
Marie-Luise Scherer: Der Akkordeonspieler
So richtig sicher bin ich mir zwar nicht, doch mein Eindruck ist nicht nur ein flüchtiger: Die Bücher, die mich sprachlich am meisten ansprechen, sind von Frauen geschrieben worden. Janet Malcolm, Alice Munro, Zora del Buono und Marie-Luise Scherer, von der hier die Rede sein soll. Genauer: von ihrem 2004 erstmals erschienenen und jetzt wieder …