Anne Michaels: Zeitpfade

Dieser Roman spielt zwischen 1908 (Rue Gazan, Paris) und 2025 (Finnischer Meerbusen) und ist unter anderen auch John Berger (den ich zu den unabhängigsten und aufmerksamsten Kommentatoren der Fotografie zähle) gewidmet, weswegen ich die Lektüre denn auch ausgesprochen positiv angehe. Gleich zu Beginn stosse ich auf Sätze, die mein Weltverständnis besser ausdrücken als fast alles, …

Polly Morland: Ein glückliches Tal

Dass ich überhaupt auf dieses Buch gestossen bin, liegt wohl wesentlich daran, dass mein Vater als Arzt (genauer: als Spezialarzt für ORL) auf dem Land praktizierte. Dazu kommt, dass Geschichte eines Landarztes von John Berger und Jean Mohr bei mir im Regal steht (dessen englischer Originaltitel lautet: A Fortunate Man. The Story of a Country …

Salman Rushdie: Knife

Dem Zeitgeist gehorchend erscheinen zunehmend deutsche Bücher mit einem englischen Titel – als ob die Dinge nicht schon verwirrend genug wären. „Eine lebensbejahende Hymne an die Macht der Literatur, dem Undenkbaren einen Sinn zu geben“, charakterisiert der Verlag diese Gedanken nach einem Mordversuch. Dem Undenkbaren einen Sinn zu geben? Bei mir scheitert die Sinngebung bereits …

James Bridle: Die unfassbare Vielfalt des Seins

Der englische Titel dieses Buches heisst „Ways of Being“ und erinnert mich an John Bergers „Ways of Seeing“, ein Werk, dem ich wesentliche Einsichten in Sachen Wahrnehmung zu verdanken habe. Die unfassbare Vielfalt des Seins handelt ebenso von der Wahrnehmung, auch wenn der Untertitel Jenseits menschlicher Intelligenz natürlich nicht halten kann, was er verspricht, denn …

John Berger: Der Augenblick der Fotografie

„Am Anfang meines Interesses an der Fotografie stand nicht das Machen und Betrachten von Bildern, sonder9n das Lesen über sie“, beginnt Geoff Dyer seine Einleitung zu diesem Band mit Essays von John Berger. Mir ging es genau gleich, auch wenn es in meinem Falle nicht die Texte von Susan Sontag und Roland Barthes waren, sondern …

Andrew Solomon: Saturns Schatten

„Die dunklen Seiten der Depression“ lautet Andrew Solomons Saturns Schatten im Untertitel, das von John Berger als „das ungewöhnliche Zeugnis eines Leidens – Aufrichtigkeit gepaart mit Aufklärung“ charakterisiert wurde. Als Motto ist  dem Buch dieses Zitat von Michael Bulgakov (aus: „Die weisse Garde“) vorangestellt: „Alles wird vorübergehen: Leiden, Qualen, Hunger, Blut und Massensterben. Das Schwert wird verschwinden, aber …

Salman Rushdie: Joseph Anton

„Hinterher, als die Welt um ihn herum explodierte und die todbringenden Krähen sich im Schulhof auf dem Klettergerüst versammelten, wurmte es ihn, dass er den Namen der BBC-Reporterin vergessen hatte, die ihm sagte, sein altes Leben sei vorbei, für ihn beginne eine neue, eine dunklere Existenz.“ Wer so seine Autobiografie beginnt, hat meine vollste Aufmerksamkeit …

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