Bo Svernström: Spiele

Robert Lindström tötete als Elfjähriger seinen besten Freund. Ausser dem oberflächlichen Kontakt mit seinen Mitarbeiterinnen bei der Arbeit als Buchhalter bei einer Illustrierten mit unseriösem Inhalt und regelmässigen Besuchen bei seiner Therapeutin, über deren Warum-Fragen er sich nervt („Was soll ich darauf antworten? Ich gehe doch zu ihr, um Antworten zu bekommen, keine Fragen.“), lebt er für sich allein in Stockholm.

Robert verfügt über einen sehr hohen IQ, hält Langeweile nicht aus, leidet unter heftigen Wutanfällen, hat seine Gefühle nicht unter Kontrolle, ist scharfsinnig. „Als sie (die Therapeutin) die Tür öffnet, lächelt sie mich an, aber nicht weil sie sich freut, mich zu sehen, sondern, wie üblich, um mich zu motivieren. Als wollte sie sagen: Kommen Sie schon, es geht los! Sie schaffen das!“ Ist er möglicherweise Borderliner?

Autor Bo Svernström ist ein aufmerksamer und witziger Beobachter. Als Hauptkommissar Carl Edson sich mir der Rechtsmedizinerin Beatrice Lundmark am Telefon unterhält, hält er fest: „Carl nickte, ohne daran zu denken, dass Beatrice Lundmark ihn nicht sehen konnte.“ Was mir überdies gefällt an diesem flüssig erzählten Thriller sind Bemerkungen über unsere Zeit wie diese: „Er musste in letzter Zeit häufig an einen finnischen Philosophen denken, den er mal gelesen hatte und der die moderne Gesellschaft mit einem Hochgeschwindigkeitszug verglichen hatte, der schneller und schneller fuhr – ohne dass die Fahrgäste eine Ahnung hatten, wohin ihre Reise sie führte.“

Doch worum geht’s? Ein kleines Mädchen wurde ermordet. Gleichzeitig plant die Journalistin Lexa Andersson (die als „wandelnder Imperativ!“ charakterisiert wird) ein Buch über den Kindermörder Robert Lindström zu schreiben, in dem sie beweisen will, dass Robert unschuldig ist. Dann werden weitere Kinder getötet. Und der Journalistin wird nach dem Leben getrachtet. Offenbar will jemand, dass auf keinen Fall rauskommt, was damals geschehen ist.

Die Kapitel sind zumeist kurz gehalten, das erhöht die Spannung, weil ständig Neues kommt. Die jeweiligen Kapitelübergänge sind dramaturgische Meisterleistungen. Neben dem gekonnten Erzählen (das Zusammenführen der verschiedenen Handlungsstränge beherrscht Bo Svernström meisterhaft), überzeugt Spiele auch durch viel praktische Psychologie. Wie etwa Hauptkommissar Carl Edson mit einem aggressiven Kollegen umgeht, ist geradezu eine Fallstudie für angemessenen Umgang mit schwierigen Menschen.

Die Grundeinstellung von Carl Edson beschreibt so recht eigentlich auch diesen Thriller. „… aber meiner Erfahrung nach ist die Welt selten so einfach gestrickt. Und wenn sie uns einfach erscheint, dann meistens, weil wir vereinfachen. Weil wir alle Details unter den Tisch fallen lassen, die nicht mit unserer ‚Wahrheit‘ übereinstimmen.“

Spiele ist ein Thriller voller überraschender Wendungen und auch ein Porträt unserer Zeit: Buben dealen mit Drogen; manipulative und bösartige Menschen treffen auf solche solche, die nicht lügen können; Kinderpornografie, unzufriedene Altersheiminsassen, Rivalitäten unter Polizisten, Klimawandel, viel Gewalt.

Fazit: Spannend, psychologisch komplex, überzeugend.

Bo Svernström
Spiele
Rowohlt Taschenbuch, Hamburg 2020

Paolo Maurensig: Der Teufel in der Schublade

Mit dem 1943 in Norditalien geborenen und heute in der Nähe von Udine lebenden Paolo Maurensig verbinde ich eine Erkenntnis, die er in Der Schatten und die Sonnenuhr ausgeführt hat und mich seither begleitet – dass der Geist niemals feste Modelle bilde („Jede Form opfert sich, um eine andere, unmittelbar folgende Form hervorzubringen.“), im Gegensatz zur Photographie, welche die Realität fixiere und kristallisiere („Sie saugt in gewisser Weise dem Lebensfluss selbst das Blut aus und gibt als Leben aus, was nicht mehr Leben ist.“).

Auch Der Teufel in der Schublade beginnt so genau beobachtet und schildert subtil einen Sammler, der sich Gedanken über den Sinn des Nicht-Wegwerfen-Könnens macht. Unter den Sachen, die sich bei ihm angesammelt haben, befindet sich auch ein Manuskript, das unter anderem von einer Gedenkveranstaltung für Carl Gustav Jung in Küsnacht berichtet, bei der ein Pater Cornelius einen Vortrag hielt, in dem er den Teufel als ein real existierndes Wesen darstellte. „In der Tat, so ist es. Nur konnte ich das vor einer Zuhörerschaft von Psychoanalytikern nicht so offen sagen. Sie hätten mich auf der Stelle einer Analyse unterzogen.“

Pater Cornelius erzählt dem jungen Verlagsangestellten und angehenden Schriftsteller Friedrich seine Geschichte, die im schweizerischen Dichtersruh spielt, wo Goethe einst abgestiegen sein soll. Ein Messingschild neben einem primitiven Kleiderhaken erinnert daran mit einem ihm zugeschriebenen Aphorismus: Die Kunst ist lang, das Leben kurz, das Urteil schwierig.

Gerade mal 1000 Einwohner zählt das Dorf, das von einem kollektiven Wahn erfasst scheint, denn alle schreiben sie und schicken ihre Manuskripte an deutschsprachige Verlage, von wo sie, versehen mit den üblichen Ablehnungsflokeln, umgehend retourniert werden.

Dann trifft der Teufel in Gestalt des Verlegers Dr. Bernhard Fuchs aus Luzern im Dorf ein, zeitgleich mit dem unerwarteten Ausbruch der Tollwut. Und damit stellen sich grundsätzliche (und auch sehr aktuelle) Fragen, denen der Mensch meist aus dem Weg geht. „War das Böse übertragbar? War es ansteckend? Welchen Sinn hatte es, nach dem Guten zu streben, wenn schon ein kleiner Kratzer oder ein Speichelfaden alles wieder zunichtemachen konnte?“

Die Behörden zeigen sich zuvorkommend als der Verleger sich im Dorf niederlassen will. Man kennt zwar seinen Verlag nicht, weder den Namen noch die Adresse und will sie auch gar nicht wissen – man verhält sich „wie kleine Kinder bei der Aussicht auf einen Stängel Zuckerwatte“.

Wie immer, wenn Menschen sich in einem Massenwahn befinden, braucht es jemanden, der ihnen zeigt, dass sie sich Illusionen hingeben. Im Falle von Der Teufel in der Schublade ist es zuerst eine junge Frau, später dann Pater Cornelius, der von der Kanzel herab über den Teufel wettert. Als er diesen schliesslich stellt, rechtfertigt sich der Teufel damit, dass er nicht anderes als „kluge Hebammenkunst“ betreibe. „Ich versuche, in jedem das zutage treten zu lassen, was an Schlechtem in ihm verborgen ist.“

Paolo Maurensig ist mit Der Teufel in der Schublade ein zeitloser Text gelungen, der von grosser Aktualität ist. Wir sind gut beraten, uns der Strategie des Teufels bewusst zu werden, die er Pater Cornelius so beschreiben lässt: „Er würde die Geister verwirren, indem er die Mittelmässigen in den Himmel hob, die Verdienstvollen zu Fall brachte und damit alle in ein Chaos aus Hass und Hochmut, Euphorie und Verzweiflung stürzte. Das Wichtigste für ihn war, möglichst viele Seelen der Verdammnis anheim zu geben. Und dabei kamen ihm andere Teufelsscharen zu Hilfe, die bis anhin in der Schublade eingesperrt waren.“

Fazit: Elegant und leicht, amüsant und wesentlich.

Paolo Maurensig
Der Teufel in der Schublade
Nagel & Kimche, München 2020

Petra Bernhardt / Karin Liebhart: Wie Bilder Wahlkampf machen

Die Autorinnen dieses Bandes forschen und lehren als Politikwissenschaftlerinnen an der Universität Wien. Wie Bilder Wahlkampf machen  ist ein akademisches Buch und das meint, dass auch das Allerbanalste referenziert wird. Selbst eine Aussage wie dass Wahlkämpfe und Bilder zusammengehören, kommt ohne Quellenangabe nicht aus!

„Das Buch setzt sich mit rezenten politik- und kommunikationswissenschaftlichen Forschungen zur Bildverwendung in der politischen Kommunikation sowie mit kulturwissenschaftlichen Ansätzen der Bildanalyse auseinander und wendet diese erstmals auf den österreichischen Kontext an“, lese ich auf dem Buchumschlag. Als an akademischen Debatten Uninteressierter und mit der österreichischen Politik Unvertrauter  interessiert mich an diesem Band allein, ob der Titel hält, was er verspricht.

Zehn Funktionen politischer Bilder haben die Autorinnen ausgemacht: Implizite Argumentation, Agenda Setting, Dramatisierung, Emotionalisierung. Imagebildung, Identifikation, Dokumentation, Symbolisierung, Transport und Mehrdeutigkeit. Sie erwähnen auch, dass sich diese „ergänzen und auch überlagern können.“

Je weiter ich mit der Lektüre vorankomme, je klarer wird mir, dass ich mir unter dem Titel etwas anderes vorgestellt habe als die beiden Autorinnen. Ich hatte gehofft, mir werde aufgezeigt, wie man den Einfluss von Bildern messen kann, das Buch handelt hingegen davon, was andere (meist) Akademiker zu Visuellem Storytelling, Visueller Selbstinszenierung, Image Management etc. publiziert haben. 

Positiv formuliert: Wie Bilder Wahlkampf machen  gibt einen gut geschriebenen Überblick zum Thema Bilder und Politik. Dass der Text sich angesichts der zahlreichen Definitionen (die Anker im akademischen Meer) ausgesprochen flüssig liest, ist bemerkenswert.

Dieser Bestandesaufnahme, die auch eine grosse Fleissarbeit ist, fehlt jedoch das kritische Hinterfragen. So wird etwa in Kapitel 4, „Mit Bildern Geschichten erzählen: Visuelles Storytelling im Wahlkampf“ ausführlich auf verschiedene Storytelling-Arten eingegangen, jedoch ohne dass das Storytelling an sich kritisch beleuchtet wird (wie etwa hier). 

Besonders aufschlussreich fand ich die Ausführungen über Michelle Obamas Gemüsegarten (gutes Storytelling!) sowie die Schilderungen der mich nicht überraschenden Selbstinszenierungsfähigkeiten von Alexandria Ocasio-Cortez.

Ein Satz wie „Bilder können Menschen zu ‚Affektgemeinschaften‘ verbinden“ („können“ ist so vage, dass es schon fast keine Aussage ist) weist auf das Dilemma dieser Studie hin: Der Absenz von klaren, eindeutigen und verbindlichen Aussagen. Das ist eben so, wenn man sich bemüht, wissenschaftlich zu arbeiten – mehr als „educated guesses“ sind nicht zu haben und diese lasse ich mir gerne gefallen, wenn sie so unprätentiös daherkommen wie in diesem Werk.

Petra Bernhardt
Karin Liebhart
Wie Bilder Wahlkampf machen
mandelbaum verlag, Wien 2020 

Stefano Mancuso: Die unglaubliche Reise der Pflanzen

Zuallererst: Dieses mit Aquarellen von Grisha Fisher versehene Buch ist eine Augenweide voller Überraschungen. Ich jedenfalls hatte keine Ahnung, dass Pflanzen kaum erforscht sind und dass wir noch nicht einmal annähernd wissen, „wie viele es überhaupt gibt, wie sie funktionieren oder welche Eigenschaften sie besitzen.“

Der Pflanzengenetiker (was es nicht alles gibt!) Stefano Mancuso hingegen weiss einiges über Pflanzen. Dass sie empfindungsfähiger als Tiere sind, zum Beispiel. Oder dass sie äusserst mitteilsam und ausgesprochen soziale Wesen sind. Oder dass sie keineswegs unbeweglich (sie bewegen sich, wenn auch sehr langsam), sondern sesshaft sind.

Der grundlegende Unterschied von Pflanze und Tier besteht darin, dass Tiere ein Kommandozentrum besitzen und Pflanzen multizentrisch sind. Anders gesagt: Tiere sind Individuen, Pflanzen Gemeinschaftswesen. Die unglaubliche Reise der Pflanzen ist reich an solchen Informationen. Und da sie für mich neu und spannend sind, mache ich ganz wunderbare Entdeckungen.

So war mir etwa nicht bekannt, dass Pflanzen reisen. Doch das tun sie. Als im November 1963, ausgelöst von vulkanischer Aktivität auf dem Meeresboden, einhundert Kilometer südlich von Island eine neue Insel entstand, wurde sie zum Naturschutzgebiet erklärt, zu dem nur Wissenschaftler Zugang hatten, die in der Folge beobachteten, dass die Samen der Gefässplanzensorten, die sich dort ansiedelten, durch den Wind (9 Prozent), über das Meer (27 Prozent) und mit Vögeln (64 Prozent) dort hingelangt waren.

Pflanzen sind ungemein widerstandsfähig. Als nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl am 26. April 1988 das Gebiet um das Kernkraftwerk gesperrt wurde, entwickelte sich auf diesem Territorium durch das Fernbleiben der Menschen eines der artenreichsten Gebiete der ehemaligen Sowjetunion. „Trotz der Strahlung ist die pflanzliche und tierische Vielfalt inzwischen grösser als vor der Naturkatastrophe.“ Und als die Atombombe über Hiroshima explodierte und buchstäblich alles verdampfte, gab es drei Bäume, die die Atombombe überlebt hatten und noch heute in einem prächtigen Garten zu besichtigen sind.

Allem Leben ist ein unaufhaltsamer Expansionsdrang eigen. Eine Folge davon sind die invasiven Tier- und Pflanzenarten, die zu uns gelangt sind. Der Mais, zum Beispiel, der aus Mexiko kommt. Oder die aus Mittel- und Südamerika stammende Tomate. Oder das ursprünglich in Indien beheimatete Basilikum.

Der Expansionsdrang hat auch zur Folge, dass es einige Bäume an ausgesprochen unwirtliche und höchst entlegene Orte des Planeten verschlägt. Solche alleinstehende Bäume sind aussergewöhnliche Überlebenskünstler und von besonderem Interesse für die Wissenschft, denn sie sind so recht eigentlich ein Widerspruch in sich, „denn Leben ist nur in einer Gemeinschaft von Lebewesen, mit anderen Angehörigen der eigenen Art möglich.“

Am Beispiel der Fichte von Campbell Island (die Insel befindet sich etwa 600 Kilometer südlich von Neuseeland inmitten der Subantarktis und ist mit ihrer Fläche von 112 Quadratkilometern etwas grösser als Sylt) erläutert Stefano Mancuso, was den Beginn der Anthropozäns (das Zeitalter, das aktiv vom Menschen geprägt ist) markieren könnte. Neugierig geworden? Greifen Sie zu Die unglaubliche Reise der Pflanzen, es lohnt sich!

Fazit: Eine Entdeckungsreise der besonderen Art und ein wunderbarer Augenöffner.

Stefano Mancuso
Die unglaubliche Reise der Pflanzen
Klett-Cotta, Stuttgart 2020

John O’Connell: Bowies Bücher

David Bowie sah ich eigentlich immer als begnadeten Selbstvermarkter und für solche habe ich wenig übrig, doch da waren eben auch noch Moonage Daydream, Changes, und China Girl, Songs, die mich nicht mehr losgelassen haben. Und da war dann ja auch noch die Super-Gitarre von Mick Ronson …

100 Bücher sind in diesem Band versammelt, darunter viele, die mir unbekannt sind und von denen ich mir einige nun bestimmt vornehmen werde, denn ich lasse mich gerne von passionierten Lesern anregen. Und David Bowie war zweifellos einer, wie dieses Buch deutlich macht.

Ob diese 100 Bücher wirklich sein Leben verändert haben? Ich bin da skeptisch, denn wir wissen selten warum wir tun, was wir tun – die nachgelieferten Erklärungen und Begründungen sind zwar unterhaltsam, doch entspringen mehr einer Gewohnheit des Denkens als der Realität (die wir eh nicht begreifen). Wie auch immer: Gelten lassen will ich auf jeden Fall, dass diese 100 Bücher für Bowie wichtig waren.

Verfasst wurde Bowies Bücher vom freien Journalisten John O’Connell, der nicht nur exzellent zu schreiben versteht, sondern auch ein scharfsinniger Denker ist und treffend bemerkt, dass Lesen, neben vielem anderen, eine Flucht ist – „in andere Menschen, Perspektiven und Bewusstseinszustände. Es hebt uns aus uns heraus, nur um uns dann wieder zurückzubringen, aber unendlich bereichert.“

O’Connell, der Bowie in 2002 einmal interviewt hat und mit dessen Werdegang bestens vertraut ist, sieht sein Buch als „Blick auf die Werkzeuge, die Bowie benutzt hat, um sein Leben zu steuern, und nicht zuletzt ein starkes Argument für eine altmodische Theorie, die mir immer gefallen hat: dass einen das Lesen von Büchern zu einem besseren Menschen macht.“ Da mir diese Theorie auch lange gefallen hat (bis ich auf George Steiners Beobachtung gestossen bin, Bücherlesen könne einen auch immun gegen das reale Leiden machen), bin ich gespannt auf die Bücher, die Bowie für sich selber als wichtig erachtete.

Dabei stosse ich auch auf solche, die, so bilde ich mir ein, mich selber geprägt haben. Dazu gehören Nik Cohns Awopbopaloobop Alopbamboom, Albert Camus‘ Der Fremde, Jack Kerouacs Unterwegs, George Orwells 1984, Ronald D. Laings Das geteilte Selbst, Truman Capotes Kaltblütig, und Hubert Selbys Letzte Ausfahrt Brooklyn.

Bowies Bücher referiert nicht nur summarisch den Inhalt der jeweiligen Werke, sondern stellt auch einen Bezug zu Bowies Lektüre her d.h. spekuliert unter anderem darüber, welchen Einfluss dieses oder jenes Buch auf ihn gehabt haben mag. Ob das auch wirklich so gewesen ist, steht natürlich in den Sternen, doch O’Connells Vermutungen sind plausibel, nachvollziehbar, unterhaltsam und immer anregend. Und manchmal auch etwas arg weit hergeholt – dass T.S. Eliot Das öde Land in einem Sanatorium in Lausanne verfasst hat, veranlasst ihn, darauf hinzuweisen, dass Bowie grosse Teile der Achtziger- und Neunzigerjahre ebenfalls in Lausanne verbracht (im Château du Signal, einem 14-Zimmer-Anwesen) sowie Lodger und einige weitere Alben in den Mountain Studios im vierzig Minuten entfernten Montreux aufgenommen hat (und nicht wie fälschlicherweise behauptet „vierzig Minuten von Montreux entfernt“).

Darüber hinaus finden sich jeweils am Ende einer Buchvorstellung zwei Tipps – welche Musik man zum Buch hören sollte und was sich zum Weiterlesen eignet. Bei Flauberts Madame Bovary heisst der Song „Life on Mars?“ und als Buch wird Flauberts „Die Erziehung des Herzens“ empfohlen. Und bei John Dos Passos Der 42. Breitengrad wird uns „Young Americans“ anzuhören nahegelegt und zum Weiterlesen Dos Passos „Manhattan Transfer.“

Fazit: Wunderbar inspirierend, ein Lesegenuss erster Güte!

John O’Connell
Bowies Bücher
Literatur, die sein Leben veränderte
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2020

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Erste Schritte