Anne Michaels: Zeitpfade

Dieser Roman spielt zwischen 1908 (Rue Gazan, Paris) und 2025 (Finnischer Meerbusen) und ist unter anderen auch John Berger (den ich zu den unabhängigsten und aufmerksamsten Kommentatoren der Fotografie zähle) gewidmet, weswegen ich die Lektüre denn auch ausgesprochen positiv angehe. Gleich zu Beginn stosse ich auf Sätze, die mein Weltverständnis besser ausdrücken als fast alles, …

Thomas Metzinger: Bewusstseinskultur

„Wir müssen uns ehrlich machen.“ So beginnt dieses Buch. Wir sind also nicht ehrlich, schliesse ich daraus, sondern müssen es erst noch werden. Das verlangt eine Anstrengung, eine praktische, keine, die sich auf Kopfeinsichten beschränkt. Angesichts der menschlichen Neigung zum Selbstbetrug ist das kein geringes Unterfangen. „Seit einem halben Jahrhundert wissen wir, dass das alte, …

Erica Fischer: Spät Lieben Gelernt

Erica Fischer, 1943 in St Albans bei London geboren, wuchs in Wien auf und studierte am Dolmetschinstitut der Universität Wien; ihr Buch Aimée & Jaguar wurde zum Weltbesteller. Das vorliegende Buch gibt eine Version ihres Lebens. Genauer: Was sie aufgeschrieben hat, ist das, was sie erinnert und sich entschieden hat, öffentlich zu machen. Spät Lieben …

Helen Garner: Drei Söhne

Robert Fraquharson soll seine drei Söhne getötet haben. Für die australische Öffentlichkeit ist der Fall klar: Ein Racheakt, um es seiner Frau heimzuzahlen, die sich von ihm getrennt hat und mit einem anderen Mann zusammenlebt. Doch war es das? Helen Garner, geboren 1942, hat sich während Jahren mit dem Fall beschäftigt. „Ein unerhörtes und unvorhersehbares …

Jessica J. Lee: Mein Jahr im Wasser

Die Depression hatte aus Jessica J. Lee einen Menschen gemacht, der sie nicht sein wollte: „entleert und verhärtet.“ Sie suchte einen Weg, um mit ihrer Verletzung zu leben. „Schwimmen wäre eine Möglichkeit, mit meinen Ängsten zu leben, meinen Alltag zu bestehen. Vor allem hoffte ich, eine gewisse Balance zu finden.“ Sie ist streng mit sich, …

Abt Muho: Ein Regentropfen kehrt ins Meer zurück

Abt Muho, 1968 als Olaf Nölke in Berlin geboren und jetzt mit seiner Frau und seinen drei Kindern im japanischen Antaiji lebend, geht es in seinem Buch Ein Regentropfen kehrt ins Meer zurück um die grossen Fragen unseres Menschseins: Wie wollen wir leben? Und wie wollen wir sterben?  „Es geht dabei um die einzige Frage, die zählt: …

Hila Blum: Der Besuch

Es ist die Sprache, der Ton, der mich sofort für diesen Text einnimmt. Sommer in Jerusalem. Es ist heiss. Ein Hochhaus stürzt ein, der Millionär Duclos aus Paris kündigt seinen Besuch an und ein Junge verschwindet. „Nili denkt, dass man ihn noch finden wird. Nati nicht. Sie streiten sich beim Abendessen darüber: eine kurze Diskussion, verwirrt …

Anna Karolina Larsson: Der Pavian

„Schnell, witzig und ganz schön hart … Ein sensationelles Debüt aus Schweden“, preist der Verlag diesen Thriller. Und hat Recht damit, da stimmt alles, wirklich alles. Worum geht’s? Amanda und ihre ältere Schwester Sanna wachsen in einem kleinen Ort in Östergötland in einer für schwedische Verhältnisse relativ anormalen Familie auf: ihre Eltern sind nicht geschieden, sie …

William Boyd: Solo

„James Bond träumte.“ Ein toller Satz, um einen James-Bond-Roman anzufangen, denn dass 007 träumen könnte, wäre mir in den Bond-Filmen gar nie in den Sinn gekommen. Und dass der Mann, während er auf das Frühstück wartet, raucht, finde ich auch deswegen so gelungen, weil es einen schönen Kontrapunkt setzt zum grassierenden Gesundheitswahn unseres Zeitgeistes. 007 feiert …

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