Als Susan Bernofsky vor über dreissig Jahren begann, Robert Walsers Werke ins Englische zu übersetzen, war eine Biografie über ihn zu schreiben, das letzte woran sie dachte. Wie sie dabei vorgegangen ist, erläutert sie in ihrer Einleitung, der die Begeisterung für ihre Arbeit anzumerken ist. Die Bezeichnung „Hellseher im Kleinen“ geht auf W.G. Sebald zurück. …
Tag Archives: Biografie
Rebecca Godfrey mit Leslie Jamison: Peggy
Die Angabe zur Autorin ist erklärungsbedürftig: Rebecca Godfrey, die über zehn Jahre an Peggy gearbeitet hatte, starb 2020 und hinterliess fast das vollständige Manuskript, das dann von ihrer Freundin, der Autorin Leslie Jamison, anhand von Godfreys Aufzeichnungen vollendet wurde Es ist zwar verständlich, doch eben auch schade, dass wir mehr über die Begüterten dieser Welt …
Bernd Mattheus: CIORAN
Offenbar konnte sich der Verlag nicht entscheiden, ob es nun „Porträt eines rasenden Skeptikers“ (so steht es auf dem Umschlag) oder „Porträt eines radikalen Skeptikers“ (die Titelseite im Buch) heissen sollte; vielleicht haben die Verlagsleute aber ganz einfach nicht bemerkt, dass Umschlag und Titelseite nicht übereinstimmen, oder aber gehofft, es würde niemandem auffallen. Wie auch …
Claudia Graf-Grossmann: Johannes Mario Simmel
Kann man eigentlich einen anderen Menschen kennen? So recht eigentlich kennen wir doch nicht einmal uns selber. Bestenfalls können wir rätseln. Der Autorin dieser Biografie ist das sehr bewusst, weshalb sie denn auch die Szene, die sie in ihrem Prolog schildert, so kommentiert: „Ist diese Szene real, oder befinden wir uns in einem Film, einem …
Julia Blackburn: Daisy Bates in der Wüste
Die Autorin Julia Blackburn, 1948 in London geboren, informiert mich der Verlag, „sucht in Tagebüchern, Briefen und vergilbten Fotografien nach dem wahren Leben der Daisy Bates“, einer Irin, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter Aborigines im australischen Outback lebte und bekannt für ihre Lügen war. „Vielleicht hatte Daisy Bates schon als kleines …
Benjamin Moser: Sontag
Mein Interesse an diesem monumentalen 800-Seiten-Werk gründet in meiner Auseinandersetzung mit Sontags Ansichten über Fotografie, einer Stelle aus dem Buch ihres Sohnes, David Rieff, worin er vom Sterben seiner Mutter schreibt (sie habe immer gedacht, mit ihrem Verstand würde sie in der Lage sein, auch die Mediziner-Sprache zu verstehen, und war kläglich gescheitert.) und meiner …