Schön gestaltet ist dieses Buch, gut in der Hand liegt es auch, doch der Titel erregt mein Missfallen. Können wir eigentlich nur in Rechten und Pflichten denken? Und überhaupt: Rechte zeichnet aus, dass man sie einklagen kann. Wer also soll für Pflanzen sprechen? Nach den ersten paar Seiten bin ich jedoch bereits versöhnt und als …
Tag Archives: Klett-Cotta
Arno Gruen: Dem Leben entfremdet
Aufzeigen wolle er, so Arno Gruen auf den ersten Seiten dieses Buches, dass die Geschichte der grossen Zivilisationen die Geschichte der Unterdrückung unserer empathischen Natur sei. „Dadurch verlieren wir die ursprüngliche, jedem Menschen gegebene Fähigkeit in der Wirklichkeit zu leben.“ Die Frage „Wer bin ich?“ sei ersetzt worden durch „Was bin ich?“, doch „Was ich …
Martin Brüne: Der unangepasste Mensch
Dass es mich gibt ist einem Zufall zu verdanken. Hätten sich nämlich Ei- und Samenzellen meiner Eltern nicht genau zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt getroffen und vereinigt, gäbe es mich nicht. Für diejenigen, die hinter Allem und Jedem einen geheimen Plan vermuten oder sich Bedeutsames erhoffen, ist das eine ziemlich ernüchternde Erkenntnis, auf mich selber …
Michiko Kakutani: Der Tod der Wahrheit
Die 1955 in New Haven, Connecticut, geborene Michiko Kakutani war lange Jahre die von nicht wenigen gefürchtete Literaturkritikerin der New York Times, die speziell die Machos Philip Roth und Norman Mailer nicht ertrug. Wobei: Sie zitiert Philip Roth einige Male und durchaus zustimmend im vorliegenden Buch, das im amerikanischen Untertitel etwas anders als auf Deutsch …
Stefano Mancuso: Die unglaubliche Reise der Pflanzen
Zuallererst: Dieses mit Aquarellen von Grisha Fisher versehene Buch ist eine Augenweide voller Überraschungen. Ich jedenfalls hatte keine Ahnung, dass Pflanzen kaum erforscht sind und dass wir noch nicht einmal annähernd wissen, „wie viele es überhaupt gibt, wie sie funktionieren oder welche Eigenschaften sie besitzen.“ Der Pflanzengenetiker (was es nicht alles gibt!) Stefano Mancuso hingegen …
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Sue Prideaux: Ich bin Dynamit
Nietzsches Familie war von einer starken Neigung zu geistiger oder neurologischer Instablität betroffen – sein Vater starb im Alter von 35 Jahren, er wuchs umringt von Frauen auf, Mutter, Grossmutter und zwei Tanten. Über letztere schreibt Sue Prideaux trocken: „Beide Tanten litten unter den damals weit verbreiteten nervlichen Beschwerden und behielten den Arzneischrank stets in …
Whitney Scharer: Die Zeit des Lichts
Die Zeit des Lichts (The Age of Light im englischen Original) ist ein überaus treffender Titel, um das Leben einer Fotografin zu beschreiben, vor allem einer so vielfältig begabten wie Lee Miller, die sich sowohl als Mode-, Porträt- wie auch als Kriegsfotografin einen Namen gemacht hatte. Der Auftakt zu diesem Debütroman könnte gelungener kaum sein. …
Claudia Hammond: Tick Tack
Die Zeit ist relativ, das weiss jeder. Die gute soll so lange wie möglich dauern, die schlechte möglichst schnell vorbei gehen. Dazu kommt, dass wir sie ganz unterschiedlich wahrnehmen – die Stunde, die einem Kind wie eine Ewigkeit vorkommen mag, geht im Alter rasend schnell vorüber. Claudia Hammonds Prämisse in Tick Tack ist die folgende: …
Leopold Federmair: Die grossen und die kleinen Brüder
Der 1957 in Oberösterreich geborene Leopold Federmair lebt seit elf Jahren in Japan, seit sieben in Hiroshima, wo am 6. August 1945 die erste Atombombe der Menschheitsgeschichte explodierte und vor wenigen Jahren Federmairs Tochter geboren wurde. In dem mit „Der 6. August 1945“ betitelten Essay findet sich auch diese Bemerkung über eine einundachzig Jahre alte …
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Luise Reddemann: Schlussstücke
„Wenn ich noch einmal leben dürfte, würde ich mir angewöhnen, jeden Abend über den Tod nachzudenken. Ich würde mir den Tod sozusagen in Erinnerung rufen. Keine andere Übung lässt einen das Leben intensiver spüren. Wenn der Tod naht, sollte er einen nicht mehr überraschen. Er sollte Teil dessen sein, was man vom Leben erwartet. Ohne …