Wir leben in Zeiten der Konkurrenz und der Superlative. Eine Autorin (oder ein Autor), die vom Verlag nicht als renommiert angepriesen wird, kann ich mir so recht eigentlich schon gar nicht mehr vorstellen. Im Falle von Suzumi Suzuki handelt es sich „um eine renommierte japanische Soziologin und Kolumnistin.“ In aller Regel schreckt mich die Bezeichnung …
Tag Archives: Tokio
James Kestrel: Fünf Winter
November 1941, Hawaii. Ein junger weisser Mann wird übelst zugerichtet an einem Fleischerhaken aufgehängt gefunden. Dem jungen Detective Joe McGrady, mit einem dieser typisch nordamerikanischen Kinn-Gesichter („McGrady hatte eines dieser Gesichter. Kantig und irgendwie unfertig, als wäre der Meissel seines Bildhauers am zu harten Stein zerbrochen.“), wird aufgetragen, sich des Falles anzunehmen. Auf dem Rückweg …
Werner Herzog: Das Dämmern der Welt
Hiroo Onoda lebt im philippinischen Urwald, als Japan im Zweiten Weltkrieg vor den USA kapituliert. Er weiss nichts davon. Werner Herzog lernt ihn 1997 kennen, schreibt seine Geschichte auf – und nimmt sie zum Anlass, grundsätzlich über das Leben zu meditieren Im Februar 1974 trifft der 23jährige Suzuki auf der Insel Lubang beim Wakayama-Fluss auf …
Isaku Yanaihara: Mit Alberto Giacometti
„Es war mir nicht bewusst, aber er hat mich durch seine Art, zu sein und zu denken, enorm beeinflusst“, notiert Isaku Yanaihara auf den ersten Seiten von Mit Alberto Giacometti. Annette Giacometti, Albertos Witwe, hat dieses Tagebuch, als es in Tokio in den Handel kam, mit einem weltweiten Bann belegt. Vermutlich lag das daran, dass sie …
Keigo Higashino: Unschuldige Täter
Seit ich vor einem Jahr drei Wochen durch Japan gereist bin, lese ich japanische Bücher neu – ständig tauchen Bilder in meinem Kopf auf, wähne ich mich vor Ort und mit dabei. Im Zug, im Hotel, bei den Begegnungen der Menschen. Den Umgang der Japaner mit Fremden erlebte ich als höflich und zuvorkommend, die gegenseitige …
Jean-Philippe Toussaint: Der USB-Stick
Jean Detrez leitet eine Abteilung der Europäischen Kommission für Strategische Zukunftsforschung. Dass er selber nicht sagen kann, was das genau ist (er kann hingegen ausführlich darüber referieren, was es nicht ist), ist so recht eigentlich ein Merkmal bürokratischer Ungetüme, deren Sinn und Zweck der Arbeitsplatzbeschaffung für diplomierte, systemangepasste Menschen ist, für die es sonst keine …