Andreas Eschbach: Die Abschaffung des Todes

Die Bücher, die einen sofort packen, sind rar. Die Schriftsteller, die solche Werke schaffen, genau so. Zu ihnen gehört Andreas Eschbach, der über ein Schreibtalent verfügt, das ich ziemlich einzigartig finde. Unterhaltsam, witzig, spannend, lebensnah und voller smarter Einsichten – ein Thriller, der gleichzeitig eine intensive Auseinandersetzung mit wesentlichen Lebensfragen, Angst und Tod also, ist. …

Joseph O’Neill: Godwin

Der charismatische Mark Wolfe („Alle kannten ihn als Wolfe, als wäre er ein Fernsehdetektiv.“), studierter Molekularbiologe, der bei der P4-Group als technischer Redakteur arbeitet, wird von seiner Chefin Lakesha zu einer Aussprache (Kunden hatten sich beschwert) in ein Café gebeten. Er taucht mit seinem Hund auf; seine Hundeerziehungsphilosophie sei, wie er erläuterte, von der benediktinischen …

Val McDermid: 1989 – Wahrheit oder Tod

1989 ist das Jahr, in dem die Berliner Mauer fiel. Ich befand mich an diesem Novembertag in Berlin und konnte es zuerst nicht glauben. Dass Val McDermid die Journalistin Allie Burns nach Ostberlin schickt, zollt der Geschichte, aus der wir, wie wir von Hegel wissen, nichts lernen, die Aufmerksamkeit, die sie nicht nur verdient, sondern …

Bernardine Evaristo: Mr. Loverman

Manchmal ist es ja so, dass das Zitat, das dem Buchtext vorangestellt ist, nicht nur darüber Auskunft gibt, wie gebildet der Autor oder die Autorin sich zeigen will, sondern tatsächlich etwas mit dem Inhalt des Buches zu tun hat. Im Falle von Mr. Loverman ist es eindeutig Letzteres: „Nicht alles, dem man sich stellt, lässt …

Bernardine Evaristo: Manifesto

Bernardine Evaristos Mädchen, Frau, etc. hat mich begeistert, kein Wunder also, gehe ich ihr Manifesto positivst gestimmt an, auch wenn mir der Untertitel „Warum ich niemals aufgebe“ nicht viel mehr als ein müdes Schulterzucken entlockt, denn der Mensch, so meine Sicht aufs Leben, hat schlicht keine Ahnung, weshalb er tut, was er tut. Geboren wurde …

William Boyd: Eines Menschen Herz

„Ich habe mir sicher geschworen, die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit usw. usw., und ich glaube, diese Blätter werden meinem Vorsatz gerecht“, schreibt Logan Gonzago Mountstuart in den Vorbemerkungen zu diesen Tagebüchern. Sich dergestalt um die Wahrheit zu bemühen, bedeutet, genau hinzuschauen, zu schildern, was ist, und von Urteilen Abstand zu nehmen. Soweit der …

Sinéad O’Connor: Erinnerungen

Sinéad O’Connors Version von „Nothing Compares 2U“ gehört zu den Liedern, die mich noch immer zutiefst berühren. Natürlich weiss ich nicht, woran das genau liegt, doch als ich jetzt in ihren Erinnerungen lese, wie ihr Vater sie als kleines Mädchen in den Schlaf sang – „Seine Stimme klingt sehr traurig. Er ist oft traurig. So …

Sadie Jones: Die Skrupellosen

Die englischsprachige Presse (jedenfalls ein Teil davon) ist voll des Lobes für diesen Roman, der im Original etwas anders heisst (The Snakes) und glücklicherweise nicht wörtlich übersetzt wurde. Der Auftakt ist grandios: „In der Nacht, als sie beschlossen, London zu verlassen, hatte Bea einen Traum. Träume sind wie Stummfilme – da werden Waffen abgefeuert, ohne …

David Szalay: Turbulenzen

Dass alles miteinander zusammen hängt, davon haben wir zwar gehört (jedenfalls einige), doch damit wir auch wirklich verstehen, was damit gemeint ist, müssen wir es spüren, denn Verstehen ist ein Gefühl. Eine Möglichkeit dieses Fühlens ist das Geschichtenerzählen, und ein besonders gelungenes führt uns David Szalay in Turbulenzen  vor, in dem er Ereignisse miteinander verknüpft, die …

Catherine Gray: Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein

Ob mich Bücher ansprechen, entscheidet sich manchmal nach dem ersten Satz, dem ersten Abschnitt oder den ersten Seiten. Manchmal aber auch erst nach fünfzig Seiten. Bei Catherine Grays Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein  war es der erste Satz. Dieser zitiert Joan Didion, die einmal gesagt hat: „Ich weiss nicht, was ich denke, bis ich anfange, …

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