Der ehemalige Elektriker und angebliche Spross einer jahrhundertealten Adelslinie, 91 Jahre alt, der nicht Majestät, sondern Onkel Józsi genannt werden will, hat genug vom Leben und sich in die Wälder zurückgezogen. Doch dann wird er von einer bunten Truppe vermeintlicher Anhänger aufgespürt, die ihn dazu bewegen wollen, in ihrem Sinne in die Politik einzugreifen. Sie …
Tag Archives: S. Fischer
Ismail Kadare: Der Anruf
Drei Minuten sprachen Stalin und Pasternak miteinander am Telefon. Kurz zuvor war Ossip Mandelstam verhaftet worden. Worüber bei diesem Telefonat gesprochen wurde, ist viel gerätselt worden. Pasternak hat keine einschlägigen Aufzeichnungen hinterlassen Diese Untersuchungen (so der Untertitel) beginnen mit einem Traum: Anruf Enver Hoxhas in der Redaktion, in der Kadare arbeitet. Der Diktator will wissen, …
Rebecca Godfrey mit Leslie Jamison: Peggy
Die Angabe zur Autorin ist erklärungsbedürftig: Rebecca Godfrey, die über zehn Jahre an Peggy gearbeitet hatte, starb 2020 und hinterliess fast das vollständige Manuskript, das dann von ihrer Freundin, der Autorin Leslie Jamison, anhand von Godfreys Aufzeichnungen vollendet wurde Es ist zwar verständlich, doch eben auch schade, dass wir mehr über die Begüterten dieser Welt …
Suzumi Suzuki: Die Gabe
Wir leben in Zeiten der Konkurrenz und der Superlative. Eine Autorin (oder ein Autor), die vom Verlag nicht als renommiert angepriesen wird, kann ich mir so recht eigentlich schon gar nicht mehr vorstellen. Im Falle von Suzumi Suzuki handelt es sich „um eine renommierte japanische Soziologin und Kolumnistin.“ In aller Regel schreckt mich die Bezeichnung …
Elisa Hoven: Dunkle Momente
Ein unangenehmer, vermögender Rentner erschiesst einen jungen Einbrecher, plädiert auf Notwehr, und die Justiz spricht ihn frei. Mit dieser Geschichte nimmt dieses Buch seinen Anfang, und macht deutlich, dass ein Gericht, entgegen der Vorstellung wohl der meisten, der falsche Ort ist, um Gerechtigkeit zu finden. Eine erfolgreiche Autorin erschlägt ihren Bruder, der auch ihr Manager …
Julia Voss und Daniel Birnbaum: Hilma af Klint und Wassily Kandinsky träumen von der Zukunft
Im Vorwort von Herausgeberin Susanne Gaensheimer stosse ich unter anderem auf diese Sätze, die fortan „meinen“ Kontext definieren. Zum Einen: „Der Kalte Krieg stellte die Weichen. Ungegenständlich zu malen galt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Inbegriff einer Freiheit, die der Westen bot und der Osten verbot.“ Wer sich sprachlich derart treffend auszudrücken …
Simon Sahner / Daniel Stähr: Die Sprache des Kapitalismus
Ob man ein Buch mag, entscheidet sich oft auf den ersten Seiten. Im Falle von Die Sprache des Kapitalismus ist die Lage jedoch alles andere als eindeutig. „Wenn wir immer nur von Ärzten und Krankenschwestern sprechen statt von Ärzt*innen und Pflegekräften, sind Menschen in weissen Kitteln und hoher Position in Krankenhäusern in unserer Vorstellung männlich …
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László Krasznahorkai: Im Wahn der Anderen
Das ist, nach Herscht 07769, mein zweites Buch von László Krasznahorkai. In die erste Erzählung komme ich zuerst nicht rein, in die zweite und die dritte hingegen sofort, und wie schon bei Herscht 07769 bin ich verblüfft, dass mich diese Bandwurmsätze, die viel Konzentration erfordern, nicht schnell aufgegeben lassen, denn Geduld ist gar nicht mein …
Reinhold Messner / Diane Messner: Sinnbilder
Es entbehrt nicht der Ironie, dass Reinhold Messner, der Co-Autor dieses Werkes, der bisher vor allem dadurch aufgefallen ist, dass er keinen Gipfel und keine Wüste auslassen konnte, den Verzicht predigt. Andererseits: Wer, als einer, der offenbar nie genug kriegen konnte, wäre geeigneter, den Verzicht zu schätzen. Nur eben: Messner hat eine ganz andere Vorstellung …
Philipp Kohlhöfer: Pandemien
„Für eine Geschichte im Pazifik wurde er beschossen, für eine andere wohnte er monatelang bei Strassengangs“, lese ich unter anderem über den Autor und in mir denkt es: Einer dieser Angeber-Journalisten, der sich für mutig hält. Ich habe einmal fürs IKRK gearbeitet und einige solcher „Helden“ mitgekriegt – und sie eigentlich nur peinlich gefunden. Zusätzlich …