Der Einstieg in diesen Roman ist schlicht grandios: Der Flug von Hobart nach Sydney hat Verspätung, was der Autorin die Möglichkeit gibt, die Flugpassagiere vorzustellen. Wie auf jedem Flug kommt da eine recht bunte Truppe zusammen, die derart lebensnah geschildert ist, dass ich ständig laut herauslachen muss. Wir Menschen sind schon eine überaus eigenartige Spezies! …
Tag Archives: Tod
Annie Ernaux: Ich komme nicht aus der Dunkelheit raus
„Ich komme nicht aus der Dunkelheit raus“ ist nicht nur der Titel dieses Buchs, sondern auch der letzte Satz, den Annie Ernauxs Mutter geschrieben hat. Im Alter wurde das Gedächtnis der Mutter schlechter, sie erkannte weder Orte noch Plätze noch Personen wieder. Alzheimer, meinte der Arzt. Die vorliegenden Aufzeichnungen halten die letzten Monate und Tage …
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Andreas Eschbach: Die Abschaffung des Todes
Die Bücher, die einen sofort packen, sind rar. Die Schriftsteller, die solche Werke schaffen, genau so. Zu ihnen gehört Andreas Eschbach, der über ein Schreibtalent verfügt, das ich ziemlich einzigartig finde. Unterhaltsam, witzig, spannend, lebensnah und voller smarter Einsichten – ein Thriller, der gleichzeitig eine intensive Auseinandersetzung mit wesentlichen Lebensfragen, Angst und Tod also, ist. …
Bernd Mattheus: CIORAN
Offenbar konnte sich der Verlag nicht entscheiden, ob es nun „Porträt eines rasenden Skeptikers“ (so steht es auf dem Umschlag) oder „Porträt eines radikalen Skeptikers“ (die Titelseite im Buch) heissen sollte; vielleicht haben die Verlagsleute aber ganz einfach nicht bemerkt, dass Umschlag und Titelseite nicht übereinstimmen, oder aber gehofft, es würde niemandem auffallen. Wie auch …
Zora del Buono: Seinetwegen
Zora del Buonos Vater starb 1963 im Alter von 33 Jahren bei einem Autounfall. Was ist wohl aus dem damals 28jährigen Unfallverursacher E.T. geworden, fragt sich die mittlerweile sechzig gewordene Autorin, und macht sich auf die Suche. Soweit der Rahmen dieser Geschichte, die allerdings noch ganz viel anderes erzählt, was hinter- und nebeneinander passiert und …
Paul Auster: Winterjournal
Anzuzeigen ist ein aussergewöhnlich persönliches und bewegendes Buch, geschrieben mit einem Händchen für Dramaturgie und mit einem sehr schönen Sinn für Witz: „’Merk dir das, Charlie‘, sagte er, ‚lass keine Gelegenheit zum Pinkeln aus.‘ So werden uralte Weisheiten von einer Generation zur nächsten weitergereicht.“ Es handle sich bei diesem Werk um „eine Lebensbeichte ganz aus …
Tim Parks: Hotel Milano
Frank, 75, einstmals Inhaber eines mittlerweile geschlossenen Instituts für Klartext in London („Niemand will Klartext, Dan. Die Leute vertreten die falschen Meinungen.“), wird telefonisch zur Beerdigung seines Freundes Dan, dem „Elder Statesman der amerikanischen Intelligenzia“, nach Mailand aufgeboten. Es ist die Zeit der Pandemie, von der er jedoch kaum etwas weiss, da er keine Nachrichten …
Karin Simon: Von Bleiben war nie die Rede
„Ich bin fest davon überzeugt, dass man dem Tod eine gute Landebahn bereiten kann. Damit es weniger holpert, weil die Angst nicht an Bord ist. Zum Beispiel mit einer Fluglotsin. Einer wie mir.“ Als ich diese Zeilen lese, weiss ich, dass ich nicht zum Zielpublikum dieses Buches gehöre. Für mich stimmt da weder der Ton, …
Brigitte Giraud: Schnell leben
Vor zwanzig Jahren hat Brigitte Giraud den Mann ihres Lebens, Claude, bei einem Motorradunfall verloren. Drei Tage später ist sie mit ihrem kleinen Sohn in das Haus gezogen, das sie zusammen mit Claude gekauft hat. Als sie jetzt gezwungen wird, das Haus zu verkaufen, blickt sie zurück in die Vergangenheit, und kommt auf die Litanei …
Otto A. Böhmer: Schopenhauer oder Die Erfindung der Altersweisheit
Dass ein Mann mit einem „ausgeprägten Hang zu düsteren Visionen und globaler Nörgelei“ sich zum Lebensberater eignet, ist vermutlich eher selten; im Falle des selbstgewissen Schopenhauer, dessen Einsichten sich ihm durch Anschauung erschlossen, jedoch offensichtlich. Er bietet eine nüchterne Sicht des Lebens, zu der auch gehört, dass das Glück wenig von unseren Anstrengungen abhängt. „Überhaupt …
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