Es gibt wenige Autoren, von denen ich um die zehn Bücher gelesen habe. Raymond Chandler, Eric Ambler, Elmore Leonard, Ross Macdonald. Von James Lee Burke waren es weit mehr als zehn, die meisten auf Englisch, die deutschsprachigen, immer gut übersetzt und verlegt von Pendragon in Bielefeld. Mit anderen Worten: Wenn der Klappentext zu Clete behauptet: …
Tag Archives: Amerika
Jennifer Down: Körper aus Licht
Wunderbar, toll, denkt es bereits nach den ersten wenigen Seiten in mir, denn die Stimme, der Tonfall, die Art und Weise, wie Maggie Sullivan von ihren jungen Jahren erzählt, gemahnt mich an meine eigene Kindheit, auch wenn diese ganz, ganz anders gewesen ist. Es ist der Umgang der Kinder miteinander, diese Mischung aus Freundschaft und …
Kaveh Akbar: Märtyrer!
Diesem Roman ist ein Zitat von Clarice Lispector vorangestellt, allerdings nur ein Teil davon, das vollständige Zitat befindet sich am Ende des Buches. Und da ich von Clarice Lispectors Schreiben sehr angetan bin, gehe ich die Lektüre so an, wie man so recht eigentlich jede Lektüre angehen sollte: Aufs Positivste voreingenommen. Cyrus Shams, knapp dreissig, …
Barbara Kingsolver: Demon Copperhead
Demon Copperhead kommt in einem Trailer in den Wäldern Virginias zur Welt. „Jeder weiss, dass alle, die in diese Welt geboren werden, von Anfang an gezeichnet sind – Gewinner wie Verlierer.“ Seine Mutter ist wieder einmal auf Entzug, der Vater tot. Demon Copperhead erzählt seine Geschichte – direkt, farbig und unverbildet sprudelt sie aus ihm …
Percival Everett: Die Bäume
Es liegt mittlerweile gut 14 Jahre zurück, dass ich auf Percival Everett gestossen bin – und ich war begeistert. Mit anderen Worten: Positiver eingestimmt könnte ich Die Bäume kaum angehen – und werde nicht enttäuscht, im Gegenteil, denn dieser Roman ist sowas von abgedreht und komisch, dass ich abwechselnd schmunzle und laut herauslache. Ein Beispiel: …
Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah
Der erste Satz müsse einen packen, heisst es. Oder der erste Absatz. Oder auch die erste Seite. Bei „Americanah“ reicht schon der erste Teil des ersten Satzes, weil er mich erinnert, an Mendoza, die Stadt in der argentinischen Wüste, von der eine Freundin in der Schweiz wissen wollte, wie sie rieche und ich mich so …
Charles Willeford: Filmriss
Elmore Leonard, dessen Bücher ich einst gefressen habe, schwärmte von Charles Willeford, dessen „Auch die Toten dürfen hoffen“ ich sogar zweimal gelesen habe, einmal auf Englisch und einmal auf Deutsch, und das ist mir bei einem Krimi, soweit erinnerlich, noch nie passiert. Übrigens: Charles Willeford starb 1988 und nicht 1998, wie der Verlag irrtümlicherweise angibt …
Abdulrazak Gurnah: Ferne Gestade
Als Saleh Omar auf dem Flughafen Gatwick landet, hat er eine Mahagonischachtel mit Weihrauch bei sich, deren Herkunft (und was drumherum erzählt wird) sich wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht liest. Der Inhaber eines Möbelgeschäfts („… ich habe mich immer schon für Möbel interessiert. Zumindest beschweren sie uns und sorgen davor, auf die Bäume zu …
James Lee Burke: Keine Ruhe in Montana
Nachdem der Hurrikan Katrina über New Orleans hinweggefegt war, brauchte Detective Dave Robicheaux eine Auszeit. Zusammen mit seiner Frau Mary und seinem besten Freund Clete, dem Albträume zusetzen, fährt er nach Montana zum Fischen. Natürlich wird dann nichts aus der vorgestellten Idylle. Es sind ganz unterschiedliche Geschichten, die in der Folge ineinandergreifen – was sie …
Ayad Akhtar: Homeland Elegien
Bereits die Ouvertüre hat es in sich, in der wir die College Professorin Mary Moloni kennenlernen, die lehrt, „Amerika habe als Kolonie begonnen und sei es bis heute geblieben, nämlich etwas, das noch immer definiert sei durch seine Plünderung, ein Ort, wo Bereicherung vorrangig und die bürgerliche Ordnung nur ein Nebengedanke sei.“ Und die Amerikaner: …