Patrícia Melo: Die Stadt der Anderen

Patrícia Melo zähle zu den wichtigsten Stimmen der brasilianischen Gegenwartsliteratur, lässt mich der Verlag wissen, und in mir denkt es: Wer bestimmt eigentlich, was eine wichtige Stimme in der brasilianischen Gegenwartsliteratur ist? Nach welchen Kriterien? Wie auch immer. Wir leben in Zeiten der Superlative (und darin unterscheiden sich Verlage nicht von Supermärkten) und so gehört …

Omri Boehm / Daniel Kehlmann: Der bestirnte Himmel über mir

Wenn zwei Kant-Experten – Philosophie Professor der eine, Autor (der einst eine Doktorarbeit über Kant begonnen hat) der andere – sich über den Mann aus Königsberg austauschen, wird es nicht ausbleiben, dass ein Laie (jedenfalls einer wie ich) gelegentlich nur Bahnhof versteht („Zwar haben spätere Denker versucht, das synthetische Apriori und die Kritik vor der …

Iwan Bunin: Der Sonnenstich

Zuallererst: Ansprechender Umschlag, gutes Format, leserfreundlicher Satzspiegel – das Buch liegt gut in der Hand. Es sind dies die ersten Texte, die ich von diesem Autor lese; sie würden „eine meisterhafte epische Tiefe“ aufweisen, schreibt der Verlag – was auch immer das sein mag. Die erste Erzählung, Mitjas Liebe, ist von Eifersucht geprägt, die einen …

Simon Sahner / Daniel Stähr: Die Sprache des Kapitalismus

Ob man ein Buch mag, entscheidet sich oft auf den ersten Seiten. Im Falle von Die Sprache des Kapitalismus ist die Lage jedoch alles andere als eindeutig. „Wenn wir immer nur von Ärzten und Krankenschwestern sprechen statt von Ärzt*innen und Pflegekräften, sind Menschen in weissen Kitteln und hoher Position in Krankenhäusern in unserer Vorstellung männlich …

Leonie Schöler: Beklaute Frauen

Der Titel sagt bereits alles. Trotzdem hält es die Autorin für nötig zu erwähnen, „die Darstellung dass nur weisse (das meint nicht die Hautfarbe, sondern die politische und gesellschaftliche Machtposition) Männer Dinge von Bedeutung getan, gesagt oder gedacht haben, stimmt einfach nicht.“ Selbstverständlich hat sie Recht, doch das wissen alle mit einem bisschen Verstand, weil …

Neil deGrasse Tyson: Im Spiegel des Kosmos

Es geschieht selten, sehr, sehr selten, also eigentlich nie, dass ich wegen eines Zitats, das einem Buch vorangestellt ist, in regelrechte Begeisterungsstürme ausbreche. Die Ausnahme ist dieses Zitat hier, es stammt von Edgar D. Mitchell, Astronaut der Apollo 14: „Von dort draussen, vom Mond aus betrachtet wirkt die Weltpolitik so lächerlich kleinlich. Am liebsten möchte …

Nina Jäckle: Verschlungen

Eineiige Zwillingsschwestern. Die Ich-Erzählerin lebt allein, getrennt von ihrer Schwester Ewa, in einem Haus im Wald. Doch die zwölf Minuten jüngere Schwester ist ständig präsent, ja mehr, sie dominiert. Immer mal wieder fragte ich mich: Ist diese Zwillingsschwester eigentlich das zweite Ich der Ich-Erzählerin, ist das vielleicht ein und dieselbe Person? „Die Notizen in meinen …

Peter Gritzmann: Plausibel. Logisch. Falsch

Peter Gritzmann ist emeritierter Professor für Mathematik und legt mit diesem Buch eine höchst instruktive Schrift vor, die auch immer mal wieder zum Schmunzeln einlädt. „Und vergessen Sie nicht, 90% aller unserer Kinder zeigen bisweilen ungewöhnliches Verhalten, sind also hochbegabt.“ An ganz vielen und ganz unterschiedlichen Beispielen zeigt der Autor auf, dass plausibel und richtig …

Eric Klinenberg: 2020

Verschiedene Länder haben ganz unterschiedlich auf Covid-19 reagiert. Der Soziologe Eric Klinenberg ist der Frage nachgegangen, weshalb sich in den USA, trotz ähnlicher Massnahmen (Büros wurden geschlossen, Grenzen abgeriegelt, das gesellschaftliche Miteinander eingeschränkt) ganz andere Phänomene zeigten als in anderen Ländern. „… verzeichnete kein anderes Land als die USA einen Rekordanstieg bei Tötungsdelikten. Nirgendwo sonst …

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