Bernard Minier: Kindertotenlieder

Bernard Minier, 1960 in Frankreichs Südwesten geboren und in den Ausläufern der Pyrenäen aufgewachsen, ist der Autor des ungemein spannenden „Schwarzer Schmetterling“. Nun liegt mit „Kindertotenlieder“ sein zweiter Roman auf Deutsch vor, mit weitgehendst denselben Personen, die bereits seinen Erstling bevölkerten. Kommissar Martin Servaz erhält einen Anruf von Marianne, seiner Liebe aus Studienzeiten, über die …

Jenny Lund Madsen: 30 Tage Dunkelheit

Ich bin sofort drin in diesem Text, in dem eine kommerziell wenig erfolgreiche Schriftstellerin anlässlich einer Buchmesse in Kopenhagen mit einem auf dem Markt sehr erfolgreichen Krimiautor aneinander gerät. Bei den wirtschaftlich Erfolgreichen, argumentiert die Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix, „gibt es Antworten, gute Menschen und böse Menschen, Probleme, die alle gelöst werden. In Hannahs Romanen gibt …

Joël Dicker: Die Affäre Alaska Sanders

Die zunehmende, teilweise selbst geschaffene Komplexität unseres Lebens macht uns unter anderem bewusster, dass wir so recht eigentlich immer orientierungsloser werden. Zu wissen, wer wir sind, scheint dringender denn je – und dies führt unter anderem dazu, dass einige ganz besonders Verwirrte glauben, nur ein Schwarzer könne über Schwarze schreiben, nur eine Lesbe sich zu …

Funny van Dannen: Angst vor Gott

Der englische König begegne der Schweiz mit sehr viel Sympathie, lautete letzthin eine der Schlagzeilen des Boulevardblattes Blick, die den Schweizer Botschafter in London zitierte. Womit wieder einmal demonstriert wäre, wie unglaublich kompetent die Medien ihre Informationsaufgabe nehmen und wie überflüssig der Schweizer Botschafter in London ist. Natürlich meine ich das nicht im Ernst; natürlich …

Ursula K. Le Guin: Die linke Hand der Dunkelheit

Science Fiction werde häufig als extrapolativ bezeichnet, so Ursula K. Le Guin im Vorwort. Das meint: Man nimmt Ereignisse des Hier und Jetzt und stellt sich vor, wie sich das in der Zukunft so entwickelt. Sicher, das komme vor, doch so simpel und rationalistisch sei es dann doch nicht, denn: „Variablen sind die Würze des …

Peter Stamm: In einer dunkelblauen Stunde

Im Schweizer Fernsehen, ein Dokumentarfilm über den Schweizer Schriftsteller Peter Stamm. Wie porträtiert man einen Mann, der schreibt? Die beiden Filmemacher, eine junge Frau namens Andrea und ein junger Mann mit Namen Tom, zeigen ihn beim Gehen, beim Reden, beim Besuch von Becketts Grab in Paris. Besonders aufregend ist das nicht, doch die Dokumentation gefällt …

Jean Hanff Korelitz: Der Plot

Jake Finch Bonner unterrichtet Kreatives Schreiben an einem kleinen College in der Provinz. Einstmals ein gefeierter Autor, werden seine Texte mittlerweile von den Verlagen zurückgewiesen. Das nagt an seiner Selbstachtung, er hält sich für einen gescheiterten Schriftsteller. Es ist das Diktat des Erfolges, dass die Menschen in diesem Roman (und auch im richtigen Leben) leitet. …

Gary Shteyngart: Landpartie

New Yorker Kultautor, lese ich im Klappentext, und befürchte die damit einhergehende bemühte Originalität – und so ist es dann auch (eine Scheune, „die so rot war, dass es schon ans Patriotische grenzte.“ „Dee Cameron fuhr wie eine Tochter der beiden Carolinas, die Haupt- und Nebenstrassen eine natürliche Verlängerung ihrer in Sandalen steckenden Füsse.“), doch …

William Boyd: Eines Menschen Herz

„Ich habe mir sicher geschworen, die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit usw. usw., und ich glaube, diese Blätter werden meinem Vorsatz gerecht“, schreibt Logan Gonzago Mountstuart in den Vorbemerkungen zu diesen Tagebüchern. Sich dergestalt um die Wahrheit zu bemühen, bedeutet, genau hinzuschauen, zu schildern, was ist, und von Urteilen Abstand zu nehmen. Soweit der …

Hervé Guibert: Zytomegalievirus

Der Schriftsteller Hervé Guibert liegt, geschwächt von einer HIV-Infektion, im Krankenhaus. Eine Herpesvariante, das Zytomegalievirus, bedroht ihn mit dem Erblinden. „’Wenn das Zytomegalievirus aus irgendeinem Grund nicht so früh entdeckt worden wäre, dann hätte ich das Auge verloren, wäre das eine Frage von Monaten gewesen, von Wochen oder von Tagen?‘ ‚Von Tagen‘, antwortet sie. Vielleicht …

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