Sadie Jones: Aufs Land

Amy und Lan (Lachlan) wachsen auf dem Land auf, verhalten sich so risikoreich wie Kinder sich eben verhalten, und man wundert sich, dass sie so unbeschadet durch ihre Kindheit kommen, wie sie es tun. Doch so denken Erwachsene, Kinder denken anders – und dies führt Sadie Jones sehr gekonnt vor. Aufs Land ist aus der …

Salman Rushdie: Knife

Dem Zeitgeist gehorchend erscheinen zunehmend deutsche Bücher mit einem englischen Titel – als ob die Dinge nicht schon verwirrend genug wären. „Eine lebensbejahende Hymne an die Macht der Literatur, dem Undenkbaren einen Sinn zu geben“, charakterisiert der Verlag diese Gedanken nach einem Mordversuch. Dem Undenkbaren einen Sinn zu geben? Bei mir scheitert die Sinngebung bereits …

Leonie Schöler: Beklaute Frauen

Der Titel sagt bereits alles. Trotzdem hält es die Autorin für nötig zu erwähnen, „die Darstellung dass nur weisse (das meint nicht die Hautfarbe, sondern die politische und gesellschaftliche Machtposition) Männer Dinge von Bedeutung getan, gesagt oder gedacht haben, stimmt einfach nicht.“ Selbstverständlich hat sie Recht, doch das wissen alle mit einem bisschen Verstand, weil …

Giles Kristian: Schneefieber

Ein Familienausflug in die Berge im Norden Norwegens. Ihre ältere Tochter ist vor Kurzem gestorben, die Eltern stehen noch unter Schock. „Die Idee, in die Lyngenalpen zu fahren, war dem Wunsch entsprungen, die letzten zehn Monate hinter uns zu lassen. Nicht um zu vergessen – wer könnte das schon? – , sondern um etwas anderes …

Clarice Lispector: Wofür ich mein Leben gebe

Clarice Lispector, 1929 in der Ukraine geboren, im Nordosten Brasiliens aufgewachsen, hat Jura studiert, als Lehrerin und Journalistin gearbeitet, lebte als Diplomatengattin auch in Bern und starb im Alter von 56 Jahren in Rio de Janeiro. Ihre Erzählungen haben mich begeistert, Benjamin Mosers Biografie über sie ebenso, doch was es genau ist, das mir ihr …

Abdulrazak Gurnah: Die Abtrünnigen

Abdulrazak Gurnah, geboren 1948 im Sultanat Sansibar, Professor emeritus für englische und postkoloniale Literatur der University of Kent, lebt in Canterbury. 2021 wurde er mit dem Literaturpreis ausgezeichnet. Meine Skepsis bzw. Voreingenommenheit– Uni-Professoren, die gut schreiben, sind selten; der Nobelpreis, wie Preise generell, eine Auszeichnung für erwiesene Harmlosigkeit – verfliegt schon während der ersten Seiten, …

John Burnside: So etwas wie Glück

„Als sich der Krebs zurückmeldete, überraschte mich das nicht.“ John Burnside weiss offensichtlich um die Wichtigkeit des ersten Satzes, denkt es so in mir. Der gerade zitierte leitet „Die Kälte draussen“ ein und ist meines Erachtens der gelungenste erste Satz, der in diesem Band versammelten zwölf Geschichten. „Die Kälte draussen“ handelt von Bill, der mit …

Norris von Schirach: Beutezeit

Rohstoffhändler Anton, nach zehn Jahren in Moskau seit über zwölf Monaten beruflich inaktiv, wird von einem Headhunter in New York („Wenige Orte werden so überschätzt wie New York … Das traf auf alle sogenannten Weltstädte zu.“) als Wunschkandidat an ein Unternehmen vermittelt, für das er in Kasachstan einen Stahlkonzern gründen soll. Um dabei erfolgreich zu …

Gary Shteyngart: Landpartie

New Yorker Kultautor, lese ich im Klappentext, und befürchte die damit einhergehende bemühte Originalität – und so ist es dann auch (eine Scheune, „die so rot war, dass es schon ans Patriotische grenzte.“ „Dee Cameron fuhr wie eine Tochter der beiden Carolinas, die Haupt- und Nebenstrassen eine natürliche Verlängerung ihrer in Sandalen steckenden Füsse.“), doch …

Terry Miles: Rabbits

Ein unglaublich fesselnder Auftakt, selten hat mich ein Thriller-Anfang dermassen gepackt. Verraten werde ich ihn hier natürlich nicht … , nur soviel: vielversprechender kann man kaum beginnen. Rabbits ist ein Online-Spiel, diejenigen, die es spielen, sind süchtig danach. Die WHO charakterisiert Online-Spielsucht als ein Spielverhalten, „das ausser Kontrolle gerät, und zwar so weit, dass Spielen …

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