Diesem Roman ist ein Zitat von Clarice Lispector vorangestellt, allerdings nur ein Teil davon, das vollständige Zitat befindet sich am Ende des Buches. Und da ich von Clarice Lispectors Schreiben sehr angetan bin, gehe ich die Lektüre so an, wie man so recht eigentlich jede Lektüre angehen sollte: Aufs Positivste voreingenommen. Cyrus Shams, knapp dreissig, …
Tag Archives: Alkohol
Ingar Johnsrud: Echokammer
Es geht in diesem Thriller um Parlamentswahlen, um rechtsnationale Extremisten und um den juristischen Berater der Arbeiterpartei. Und es geht um die verhärteten Fronten in der Migrationspolitik, um Entführung und Erpressung. Es ist eine spannend erzählte Geschichte, die in der Hauptsache davon handelt, wie ein Terrorangriff vereitelt werden soll. Ich habe von Thrillern und Kriminalromanen …
Paul Auster: Winterjournal
Anzuzeigen ist ein aussergewöhnlich persönliches und bewegendes Buch, geschrieben mit einem Händchen für Dramaturgie und mit einem sehr schönen Sinn für Witz: „’Merk dir das, Charlie‘, sagte er, ‚lass keine Gelegenheit zum Pinkeln aus.‘ So werden uralte Weisheiten von einer Generation zur nächsten weitergereicht.“ Es handle sich bei diesem Werk um „eine Lebensbeichte ganz aus …
Tim Parks: Hotel Milano
Frank, 75, einstmals Inhaber eines mittlerweile geschlossenen Instituts für Klartext in London („Niemand will Klartext, Dan. Die Leute vertreten die falschen Meinungen.“), wird telefonisch zur Beerdigung seines Freundes Dan, dem „Elder Statesman der amerikanischen Intelligenzia“, nach Mailand aufgeboten. Es ist die Zeit der Pandemie, von der er jedoch kaum etwas weiss, da er keine Nachrichten …
Jardine Libaire / Amanda Eyre Ward: Berauscht vom Leben
Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, weshalb jemand mit dem Trinken aufhört; vielleicht sind es auch gar keine Gründe, vielleicht tut man es ganz einfach. Die meisten tun es hingegen nicht, wollen oder können es nicht. Diejenigen, die aufhören, sind in der Regel so sick and tired of being so sick and tired, dass sie ein anderes, …
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James Lee Burke: Verschwinden ist keine Lösung
Dave Robicheaux, von der Polizei in New Iberia, Louisiana, gehört zu denen, die viel spüren und viel nachdenken. Und mit ihren Dämonen kämpfen. „Die einzige Realität ist die, an die du glaubst. Und den Rest schmeiss einfach weg, sage ich.“ Glauben will er unter anderem, „dass das Böse eine erklärbare Ursache hatte, eine, die nichts …
Leslie Jamison: Der Gin-Trailer
Zu Leslie Jamisons Themen, mit denen sie sich schreibend auseinandersetzt, gehört wesentlich die Sucht. Sie tut dies in Form des Sachbuchs, mittels Essays oder, im vorliegenden Fall, als Roman. Mit Sucht ist hier nicht primär eine Substanzabhängigkeit gemeint, sondern eine Lebenshaltung, die sich dadurch auszeichnet, dass nichts jemals genügt. Jamisons Schreiben zeichnet sich dadurch aus, …
Stephen Amidon: Das Ende von Eden
Ein ungemein packender Einstieg, ein rasanter Erzählstil voller Witz, der sich auch so toller Ausdrücke bedient wie „Armleuchter“, und Schilderungen enthält, die mich laut heraus lachen lassen. „Sein Blick war fest auf die Cops gerichtet, seine Stirn so stark gerunzelt, dass es aussah, als befände er sich im Anfangsstadiums eines Schlaganfalls. Er sagte kein Wort, …
Sarah Jollien-Fardel: Lieblingstochter
Selten habe ich einen Roman gelesen, der packender beginnt. Das liegt nicht nur am ersten Satz, das liegt auch nicht nur am Thema, es liegt ganz zentral an der Sprache, dem Rhythmus, der Erzählkunst. Die Geschichte spielt im Wallis (dessen Schilderung ein veritabler Augenöffner ist), woher auch die 1971 geborene Autorin stammt, und wo sie, …
Louise Nealon: Snowflake
Eine junge Frau wächst auf einem Bauernhof auf, geht nach Dublin zum Studium, doch das Leben in der Stadt ist nicht so ihr Ding und Zuhause laufen die Dinge immer mehr aus dem Ruder. Und zwar ziemlich dramatisch. Louise Nealon erzählt hier, zumindest teilweise, ihre eigene Geschichte – was sollte sie auch sonst erzählen, etwas …