Im Vorwort von Herausgeberin Susanne Gaensheimer stosse ich unter anderem auf diese Sätze, die fortan „meinen“ Kontext definieren. Zum Einen: „Der Kalte Krieg stellte die Weichen. Ungegenständlich zu malen galt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Inbegriff einer Freiheit, die der Westen bot und der Osten verbot.“ Wer sich sprachlich derart treffend auszudrücken …
Tag Archives: Nietzsche
Omri Boehm / Daniel Kehlmann: Der bestirnte Himmel über mir
Wenn zwei Kant-Experten – Philosophie Professor der eine, Autor (der einst eine Doktorarbeit über Kant begonnen hat) der andere – sich über den Mann aus Königsberg austauschen, wird es nicht ausbleiben, dass ein Laie (jedenfalls einer wie ich) gelegentlich nur Bahnhof versteht („Zwar haben spätere Denker versucht, das synthetische Apriori und die Kritik vor der …
Weiterlesen Omri Boehm / Daniel Kehlmann: Der bestirnte Himmel über mir
Steven Pinker: Aufklärung jetzt
Wer könnte nicht für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt sein, war einer meiner ersten Gedanken, als ich dieses umfangreiche Werk zur Hand nahm. Der Ökonom Friedrich Hajek bemerkte dazu 1960: „Wenn alte Wahrheiten ihren Einfluss auf das Denken der Menschen behalten sollen, müssen sie von Zeit zu Zeit in der Sprache und den Begriffen der …
Witold Gombrowicz: Durch die Philosophie in 6 Stunden und 15 Minuten
Witold Gombrowicz, geboren 1904, Jurastudium in Warschau, lebte 24 Jahre in Buenos Aires, schrieb Zeitungsartikel und arbeitete als Sekretär bei der Banco Polaco. 1963 kehrte er nach Europa zurück, lebte zuerst in Berlin, später im südfranzösischen Vence, wo er am 24. Juli 1969 friedlich im Schlaf starb. Durch die Philosophie in 6 Stunden und 15 …
Weiterlesen Witold Gombrowicz: Durch die Philosophie in 6 Stunden und 15 Minuten
Byung-Chul Han: Vita Contemplativa oder Von der Untätigkeit
Es entbehrt nicht der Ironie, wenn ein überaus produktiver Autor über die Untätigkeit schreibt. Es sei gleich vorweggenommen: Die Lektüre ist bereichernd und horizonterweiternd. Auch, weil Byung-Chu Han grundsätzlich argumentiert: „Der Kapitalismus wird von der Illusion genährt, mehr Kapital erzeuge mehr Leben, mehr Vermögen zum Leben. Aber dieses Leben ist ein nacktes Leben, ein Überleben.“ Wir leben …
Weiterlesen Byung-Chul Han: Vita Contemplativa oder Von der Untätigkeit
Henry Kissinger: Staatskunst
An Selbstvertrauen fehlt es dem Mann eindeutig nicht, denkt es so in mir, als ich den Titel Staatskunst auf mich wirken lasse. In jüngeren Jahren hätte mich wohl allein schon der Begriff der Staatskunst vor Ehrfurcht erschauern lassen, hätte ich auch gar nicht daran gezweifelt, dass es so etwas gibt und von aussergewöhnlichen Männern (Frauen …
Uli Krug: Krankheit als Kränkung
Covid-19 hat uns vieles gezeigt, das wir nicht haben sehen wollen oder uns möglicherweise gar nicht bewusst gewesen ist. Zuallererst: Auf keinen Fall wollen wir auf irgendetwas verzichten, denn unsere comfort zone zu verlassen, kommt nun mal überhaupt nicht in Frage. Ist das Wort Verzicht überhaupt noch in Gebrauch? Der Autor Uli Krug formuliert treffend: …
Otto A. Böhmer: Reif für die Ewigkeit
Otto A. Böhmer ist ein enorm produktiver Schreiber, der differenziert, informativ und sehr witzig unterwegs ist, und bei dem mich immer wieder erstaunt, mit welcher Konstanz er qualitativ Hochwertiges herbeizaubert. Wie macht er das bloss? Keine Ahnung, doch dass dem Mann eine ausgesprochene Denk- und Schreibbegabung sowie ein Unterhaltungsgen eignet, scheint mir offensichtlich. Zudem verfügt …
Fjodor M. Dostojewski: Aufzeichnungen aus dem Untergrund
Keiner, dessen Einsichten in die menschliche Seele mich mehr gelehrt hätten. Für mich ist Fjodor M. Dostojewski der grösste Psychologe, den die Welt je gesehen hat. Und so überrascht es mich denn auch nicht, dass ich bereits auf der ersten Seite dieser Aufzeichnungen aus dem Untergrund auf einen Satz stosse, den ich mir unverzüglich anstreiche: „Ich …
Weiterlesen Fjodor M. Dostojewski: Aufzeichnungen aus dem Untergrund
Michel Houellebecq: Ein bisschen schlechter
Dieser Band enthält Essays und Gespräche. Ich lese sie nicht, um mir ein Bild des Autors zu machen (das habe ich bereits), sondern weil ich mir (wie immer von ihm) Anregungen verspreche – und die kriege ich auch. So wird etwa H.P. Lovecroft zitiert mit „Das Chaos des Universums ist so absolut, dass kein geschriebener …