Jonathan Coe: Der Beweis meiner Unschuld

Gleich zu Beginn dieses Romans gibt es eine Szene, die sich kurz darauf wiederholt, und wunderbar illustriert, wie der Mensch sich selbst betrügt. Phyl, die gerade die Uni hinter sich gebracht hat, arbeitet in einem Sushi-Restaurant am Flughafen Heathrow, wo sie auch regelmässig den Lift benutzt, dessen Türen jeweils automatisch auf- und zugehen. Nichtsdestotrotz drücken …

Kaveh Akbar: Märtyrer!

Diesem Roman ist ein Zitat von Clarice Lispector vorangestellt, allerdings nur ein Teil davon, das vollständige Zitat befindet sich am Ende des Buches. Und da ich von Clarice Lispectors Schreiben sehr angetan bin, gehe ich die Lektüre so an, wie man so recht eigentlich jede Lektüre angehen sollte: Aufs Positivste voreingenommen. Cyrus Shams, knapp dreissig, …

Barbara Kingsolver: Demon Copperhead

Demon Copperhead kommt in einem Trailer in den Wäldern Virginias zur Welt. „Jeder weiss, dass alle, die in diese Welt geboren werden, von Anfang an gezeichnet sind – Gewinner wie Verlierer.“ Seine Mutter ist wieder einmal auf Entzug, der Vater tot. Demon Copperhead erzählt seine Geschichte – direkt, farbig und unverbildet sprudelt sie aus ihm …

Percival Everett: Die Bäume

Es liegt mittlerweile gut 14 Jahre zurück, dass ich auf Percival Everett gestossen bin – und ich war begeistert. Mit anderen Worten: Positiver eingestimmt könnte ich Die Bäume kaum angehen – und werde nicht enttäuscht, im Gegenteil, denn dieser Roman ist sowas von abgedreht und komisch, dass ich abwechselnd schmunzle und laut herauslache. Ein Beispiel: …

Lavie Tidhar: Maror

Maror erzählt von den Erfahrungen zweier nicht gerade einfühlsamer israelischer Polizisten zwischen 1974 und 2008. Dieser Thriller schildert ein Israel, das in den Massenmedien, die tendenziell darauf ausgerichtet sind, uns die Welt verständlich zu machen (und das meint: zu vereinfachen), so nicht vorkommt. Schliesslich gibt es so viele Israel wie es Israelis gibt – was …

Eric Klinenberg: 2020

Verschiedene Länder haben ganz unterschiedlich auf Covid-19 reagiert. Der Soziologe Eric Klinenberg ist der Frage nachgegangen, weshalb sich in den USA, trotz ähnlicher Massnahmen (Büros wurden geschlossen, Grenzen abgeriegelt, das gesellschaftliche Miteinander eingeschränkt) ganz andere Phänomene zeigten als in anderen Ländern. „… verzeichnete kein anderes Land als die USA einen Rekordanstieg bei Tötungsdelikten. Nirgendwo sonst …

James Lee Burke: Die Tote im Eisblock

Die Tote im Eisblock ist Band 19 der Dave-Robicheaux-Reihe. Und wiederum ist es ein umfangreicher Band – fast 700 Seiten. Es ist mir ein Rätsel wie der Mann das macht. So dicke Bücher von durchgehend hoher Qualität zu schreiben, die dann auch noch spannend zu lesen sind, einem immer wieder von neuem Louisiana näherbringen, und …

Henry Kissinger: Staatskunst

An Selbstvertrauen fehlt es dem Mann eindeutig nicht, denkt es so in mir, als ich den Titel Staatskunst auf mich wirken lasse. In jüngeren Jahren hätte mich wohl allein schon der Begriff der Staatskunst vor Ehrfurcht erschauern lassen, hätte ich auch gar nicht daran gezweifelt, dass es so etwas gibt und von aussergewöhnlichen Männern (Frauen …

Gary Shteyngart: Landpartie

New Yorker Kultautor, lese ich im Klappentext, und befürchte die damit einhergehende bemühte Originalität – und so ist es dann auch (eine Scheune, „die so rot war, dass es schon ans Patriotische grenzte.“ „Dee Cameron fuhr wie eine Tochter der beiden Carolinas, die Haupt- und Nebenstrassen eine natürliche Verlängerung ihrer in Sandalen steckenden Füsse.“), doch …

Susan Taubes: Nach Amerika und zurück im Sarg

Susan Taubes, 1928 in Budapest geboren, emigrierte im Alter von 11 Jahren mit ihrer Familie in die USA. Der vorliegende Roman erschien 1969 unter dem Titel Divorcing in New York, „eine Woche vor dem Freitod der Autorin und zwei Jahre nach Abschluss ihres eigenen Scheidungsverfahrens. Insofern war es naheliegend, den Roman als autobiografisches Zeugnis zu …

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